Enormes Wasserreservoir unter Leitspitalstandort?

Die Grundstücke zwischen den Ortsteilen Trautenfels und Unterburg würden sich nach Meinung heimischer Fachleute bestens für das neue Leitspital eignen. Eine Einigung mit den Eigentümern vorausgesetzt, würde sich das Land hier wohl auch Kosten sparen. Foto: Ennstaler

Nichts Neues brachte der Sonderlandtag zum geplanten Leitspital-Standort in Stainach-Pürgg am vergangenen Montag. Die Fronten zwischen den Regierungsparteien und der Opposition blieben verhärtet. Bewegung in die Sache könnte jedoch ein enormes Trinkwasserreservoir bringen, das sich unter dem Grundstück südlich des örtlichen Bahnhofes befinden. Dies war auch der Anlass für heimische Experten, ein neues Areal ins Spiel zu bringen.
Auch wenn es im Landtag ordentlich zur Sache ging, an den Positionen der fünf im „Hohen Haus“ vertretenen Parteien änderten die Wortgefechte nichts. Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) und Finanzlandesrat Anton Lang (SPÖ) verteidigten einmal mehr das Projekt Leitspital in Stainach-Pürgg. Die FPÖ, die Grünen und die KPÖ wetterten neuerlich dagegen. Aufhorchen ließen lediglich die Freiheitlichen, die am Ende der Sitzung einen Neuwahlantrag einbrachten und diesen mit dem ihrer Meinung nach landespolitischen Stillstand und einem zu langen Wahlkampf begründeten. Im Laufe des vergangenen Mittwoch verdichteten sich die Anzeichen, dass der Antrag der FPÖ, über den am 17. September im Landtag abgestimmt wird, eine Mehrheit finden könnte. Als möglicher Wahltermin wurde bereits der 24. November kolportiert.
Ob eine vorgezogene Neuwahl – regulär endet die Legislaturperiode im Mai 2020 – Auswirkungen auf die geplante Gesundheitsreform samt dem Leitspital im Bezirk Liezen haben könnte, bleibt jedoch zu bezweifeln. Denn nach wie vor sind sich alle Experten einig, dass an einem neuen Krankenhaus kein Weg vorbeiführen wird, will man die medizinische Versorgung der Bevölkerung auch in Zukunft gewährleisten. Einfluss nehmen könnte eine neue Regierungskonstellation sehr wohl aber auf den möglichen Standort. Beim Sonderlandtag am Montag sprach sich die KPÖ zum Beispiel für das bestehende LKH Rottenmann als Leitspital aus, ohne dabei jedoch die möglichen Reaktionen aus dem Ausseerland auf diesen Vorstoß in Betracht zu ziehen. Wie jedoch hinlänglich bekannt, haben die drei Ausseerland-Gemeinden nur einem neuen Krankenhaus in Stainach-Pürgg zugestimmt – jeder andere Standort kommt für sie nicht in Frage.
Trinkwasserreservoir
Für neuen Zündstoff in der Standortfrage sorgte in der Landtagssitzung auch ein Gutachten, das am Samstag auszugsweise von einer Tageszeitung veröffentlicht wurde. Diese Studie zu „gespannten Grundwässern im mittleren Ennstal“ liegt auch dem „Ennstaler“ vor. Daraus lässt sich ableiten, was auch Experten bestätigen, dass sich unter dem geplanten Standort für das neue Leitspital, also am sogenannten „Ennsboden“, ein enormes Wasserreservoir befindet. „Dort unten sind unglaubliche Mengen an bestem Trinkwasser vorhanden. Darauf zu bauen wäre sicherlich möglich, aber nur mit großem technischen Aufwand, was wiederum die Kosten in die Höhe treibt. Die Frage ist jedoch, ob ein Großbau hier überhaupt zu verantworten wäre, denn wir sprechen da von Mengen, die Generationen hochwertiges Trinkwasser sichert. Und dieses Reservoir könnte dadurch gefährdet sein“, so einer der Experten. Wie Recherchen des „Enns­talers“ ergaben, befinden sich im östlichen Bereich des Geländes südlich des Bahnhofes bereits drei Brunnenanlagen, aus denen täglich große Wassermengen entnommen werden, ohne das sich der Grundwasserspiegel verändert.
Mögliches neues Areal
Die Sorge um diese Trinkwasserreserven, mit denen man in Zeiten des Klimawandels doch sehr sorgsam umgehen und sie keinesfalls gefährden sollte, rief einige heimische Fachleute auf den Plan, die ein neues Areal für das Leitspital ins Spiel brachten und dem „Enns­taler“ vorlegten. Dieses befindet sich im westlichen Teil der Gemeinde Stainach-Pürgg, konkret an der Salzkammergut-Bundesstraße zwischen dem Fahringer Technik-Center in Trautenfels und der Einfahrt in den Ortsteil Unterburg. Dieses Gelände liegt außerhalb des „gespannten Grundwasserbereiches“ und würde nach der Fertigstellung der Überführung des Knotens Trautenfels samt darunter liegendem Kreisverkehr auch über eine hervorragende verkehrstechnische Anbindung verfügen. Eine Einigung mit den Grundstückseigentümern vorausgesetzt, würde sich das Land auch Kosten, sprich Steuergeld, sparen. Denn man müsste das Areal wohl nicht in Form eines Baurechtsvertrages „mieten“ und dafür auf 99 Jahre einen Bauzins bezahlen, sondern könnte es wohl erwerben. Nicht von der Hand zu weisen ist auch die Tatsache, dass sich in unmittelbarer Nähe des Areals das Alten- und Pflegeheim der Gräfin Anna-Lamberg-Stiftung befindet. Hier würde sich sicherlich eine Zusammenarbeit anbieten, zum Beispiel im Bereich der Palliativmedizin. Geht man noch weiter, könnten sich wahrscheinlich neben dem Leitspital auch andere Einrichtungen im Gesundheitsbereich hier ansiedeln. Den politischen Parteien sei jedenfalls ins Stammbuch geschrieben, sich ernsthaft mit diesem Areal zu beschäftigen und endlich Nägel mit Köpfen zu machen.