Energiepreise treten Kostenlawine auf Skigebiete los

Kein sorgenfreier Winter steht ins Haus. Die Energiekosten explodieren, was sich auch auf Seilbahnbetriebe und Skiticketpreise auswirkt. Foto: Bernhard Moser/Hauser Kaibling

„Das, was bei uns an Kosten hereinbrezelt, können wir unmöglich eins zu eins an unsere Kunden weitergeben“, sagt Planai-Chef Georg Bliem. In diesem Punkt stimmen auch die Geschäftsführer von Hauser Kaibling und Riesneralm-Bergbahnen zu. Zu einer Erhöhung der Skiticket-Preise wird es trotzdem kommen.

Ein Blick auf die diesjährige Sommersaison der heimischen Bergbahnen zeigt: Die Besucherfrequenz ist hoch, die Betreiber zeigen sich zufrieden. Auf der Riesneralm habe man das Niveau der Vorjahre erreicht, sagt Riesneralm-Bergbahnen-Geschäftsführer Erwin Petz. Er will im Sommerbetrieb neue Wege gehen. Gelingen soll dies durch die Veränderung der Betriebszeiten. So können Gäste heuer erstmals auch den Sonnenuntergang am Berg erleben, denn an Freitagen sind die Riesneralm-Bergbahnen bis 20 Uhr geöffnet. Am Hauser Kaibling kann man sogar einen Gästezuwachs von über zehn Prozent verzeichnen. „Daran zeigt sich, wie gut die Investitionen, die wir im Sommerbetrieb getätigt haben, angenommen werden“, so Hauser-Kaibling-Geschäftsführer Klaus Hofstätter. Er bezieht sich auf den diesjährigen Ausbau, der Kinderspielbereiche, Ruhezonen und neue Erlebnisbereiche am Schafsinn-Teich umfasst. Auch auf der Planai, Hochwurzen und dem Dachstein ist ein Gästezuwachs gelungen. Dieser liege zwischen zehn und zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so Planai-Geschäftsführer Georg Bliem, der genaue Zahlen liefert: „Bislang haben 160.000 Gäste die Planai, 78.000 Gäste die Hochwurzen und 102.000 Gäste den Dachstein besucht.“ Auch für Bliem sei die Infrastruktur am Berg ein entscheidender Faktor für die steigende Besucherfrequenz, wie er sagt. Einen Gästezuwachs kann Bliem auch im Busverkehr der Planai verzeichnen, besonders die Wanderbuslinien boomen. Im nächsten Jahr will die Planai ihre Flotte um einen weiteren Bus erweitern. „Es ist erfreulich, dass das Bewusstsein der Leute wächst und sie auf den Bus umsteigen und den PKW vor dem Hotel stehen lassen“, so Bliem.

Energieeinsparungsmaßnahmen im Blick

Auf die nächste Wintersaison blickt der Planai-Chef „mit Sorgenfalten“, wie er sagt. Grund dafür ist die Teuerungswelle, besonders im Energiebereich. „Wir diskutieren fast täglich über die Kostenentwicklung und haben wenig Planungssicherheit“, so Bliem. Beim Diskutieren will man es allerdings nicht belassen. „Wir haben eine eigene Taskforce in unserem Unternehmen eingerichtet, die sich mit der Energieplanung beschäftigt“, sagt der Planai-Geschäftsführer. Diese beschäftige sich mit Beleuchtungen, den Betriebszeiten der Seilbahnen und der Überarbeitung des Beschneiungsmanagements. Bislang erarbeitet wurden 41 Punkte, bei denen es um Energiesparmaßnahmen geht. Derzeit evaluiere man, was Sinn macht und was nicht. Entmutigen wolle man sich allerdings nicht lassen. Georg Bliem: „Die Leute wollen Skifahren, die Leute lieben Skifahren.“ Das Angebot reduzieren wolle man daher auf keinen Fall. Auch am Hauser Kaibling wurde eine Taskforce eingerichtet, wie Geschäftsführer Klaus Hofstätter mitteilt. Diese beschäftige sich ebenso mit dem Energieeinsparungspotenzial. Besonders kritisch seien „drei bis vier Tage pro Saison, in denen wir beschneien. Darüber machen wir uns schon Gedanken“, so Hofstätter.

Riesneralm profitiert von eigenen Kraftwerken

Auch Erwin Petz von der Riesneralm blickt nicht sorgenfrei auf den kommenden Winter: „Corona war schon katastrophal, doch das, was jetzt kommt, ist eine noch viel größere Herausforderung.“ Dieser kann man auf der Riesneralm jedoch mit der Gewinnung von grünem Strom begegnen. 2020 hat die Riesneralm das zweite mit Wasserkraft betriebene E-Werk in Betrieb genommen. Gemeinsam produzieren die zwei Energiegewinnungsanlagen „über zweieinhalb Mal mehr Strom als wir verbrauchen“, so Petz. 5 Millionen Euro hat die Riesneralm für das 2020 eröffnete E-Werk in die Hand genommen. Eine Investition, die dem Bergbahnen-Betrieb nun zu Gute kommt. „Der Skibetrieb auf der Riesner­alm ist abgesichert“, betont Petz.

Teuerung der Ticketpreise

Dass eine Teuerung der Ticketpreise zu erwarten ist, darin sind sich die Geschäftsführer einig. Um wie viel, steht derzeit noch nicht fest. „Die Erhöhung wird aber sicherlich unter zehn Prozent liegen“, sagt Georg Bliem von der Planai, schließlich könne man „das, was bei uns an Kosten hereinbrezelt, unmöglich eins zu eins an unsere Kunden weitergeben“, so Bliem. Auch Erwin Petz von den Riesneralm-Bergbahnen stellt klar: „Man wird einen guten Mittelweg finden müssen, damit das Skifahren leistbar bleibt.“ Klaus Hofstätter vom Hauser Kaibling betont: „Es wird sicherlich Anpassungen geben müssen, aber nicht in der Höhe, in der die Energiepreise steigen.“ In Ski Amadé, ein Zusammenschluss dem auch die Planai, Hochwurzen, der Dachstein und der Hauser Kaibling angehören, soll ein Frühbuchersystem eingeführt werden, das den Skigebieten eine gewisse Planungssicherheit verschaffen und auch den Skifahrern Vorteile bringen soll, so Georg Bliem.

Nur Kaffeesudlesen

Dementsprechend verhalten sind die Erwartungen an die kommende Wintersaison. Am Hauser Kaibling rechnet man mit einer ähnlichen Gästeanzahl wie im Vorjahr. Trotz des Corona-Winters „hatten wir einen sensationellen Februar und der März war auch gut“, so Hofstätter. Derzeit seien die Winterbuchungen noch verhalten, sagt Georg Bliem: „Die Leute warten ab, was am Markt passiert, wie sich die Inflation entwickelt und ob der Krieg in der Ukraine aufhört, was auch zu einem Umbruch der Energiepreisentwicklung führen würde. Doch das kann niemand voraussagen und ist derzeit nichts anderes als Kaffeesudlesen.“