Endgültig überspannt?

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Wenn die EU für etwas bekannt ist, dann für ihre Fähigkeit, auch in den aussichtslosesten Situationen Kompromisse zu finden, und sei es erst bei der vierten Nachverhandlung. Dieses allseits bekannte Phänomen dürften die Briten aber überschätzt haben, es scheint, als hätten sie den Bogen jetzt endgültig überspannt. Nachdem ja die Briten die EU verlassen wollen und in substantiellen Bereichen bisher auf stur schalten, bleibt der EU wohl nichts anderes über, als den harten Brexit in Kauf zu nehmen.
Die Vorstellung der Briten, weitgehend unabhängig ihre eigenen Gesetze und Normen zu machen und gleichzeitig vollberechtigt am EU-Binnenmarkt teilzunehmen, kann nicht aufgehen. Nur wenn Umwelt-, Arbeits-, Konsumentenschutz- und andere Standards definiert sind, kann es einen fairen und freien Handel ohne Dumping geben. Und dass die Einhaltung dieser Standards einer ordentlichen Kontrolle unterliegen muss, ist ebenso klar. Ein Einlenken in diesen Bereichen ist für die EU also absolut undenkbar.
Wenn nicht noch ein Weihnachtswunder geschieht, werden wir ab Jänner Grenzkontrollen und Zölle zwischen der EU und Großbritannien sehen, samt aller Folgen für die Wirtschaft und die Lebensmittelversorgung in England. Wenn die negativen Folgen für die Briten sichtbar werden, wird es wohl neue politische Konstellationen und schließlich eine Einigung geben. Bis dahin wird dies- und jenseits des Ärmelkanals viel unnötiger Schaden angerichtet, nur weil einige britische Hardliner ein unerreichbares Ziel verfolgt haben.