Ende des Privatlebens?

Fotoquelle: DEINHANDY.Magazin

Dass der Griff zum Handy für Personen des öffentlichen Interesses immer mehr zum Hochrisiko wird, hat sich inzwischen in unseren Köpfen verfestigt. Von Exkanzler Kurz bis zur grünen Spitzenkandidatin Schilling, jedes geschriebene Wort wird aus dem Zusammenhang gerissen und verurteilt und zerstört am Ende des Tages Reputation und Karriere. Wer sicher gehen will, dem bleibt nur das (hoffentlich nicht mitgeschnittene) Vieraugengespräch. Immer mehr scheint diese Form der Inquisition allerdings auch Normalbürgern zu drohen, eine Entwicklung, die wir hoffentlich alle nicht wollen. Wer politisch ganz vorne steht, hat heute das Problem der permanenten Überwachung und muss jedes Wort auf die goldene Waagschale legen. Das mag man falsch oder richtig finden, aber daran wird sich wohl nichts mehr ändern. Ganz anders ist die Sache zu betrachten, wenn der Betroffene Otto Normalverbraucher ist. Auch hier gibt es keinen Persönlichkeitsschutz, was einmal gefilmt wird, ist auf ewige Zeiten im Internet verfügbar, mitsamt aller negativen Folgen.

Wenn dadurch Jugendliche in die Depression getrieben werden oder untadelige Personen plötzlich ihren Arbeitsplatz verlieren, muss man dem ganzen Treiben Einhalt gebieten. Nicht jedes Wort im privaten Leben kann man auf die Goldwaage legen, das Recht auf freie Meinungsäußerung umfasst wohl auch das Recht, sich im Privaten das eine oder andere erlauben zu können, ohne gleich vor der öffentlichen Inquisition zu stehen. Wir sind kein Überwachungsstaat, und ich hoffe, wir wollen auch keiner werden.

Franz Wallig

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