Ein etwas anderes Weihnachtsfest?

Gerade in diesem Jahr brauchen wir die Weihnachtsbotschaft dringender denn je. Foto: AdobeStock

Das Jahr 2020 wird wohl eines sein, welches aufgrund der Coronakrise in die Geschichtsbücher eingehen wird – eine Krise, die unsere Welt, unsere Gesellschaft, unsere Politik, unsere Kultur und ja, vor allem jeden Einzelnen von uns persönlich betrifft und beeinflusst!
Krise als Chance
Eine Krise, in ihrer Bedeutung auch als „Wendepunkt“ bezeichnet, kann eine Wende in eine gute oder in eine weniger gute Richtung bewirken, das hängt davon ab, wie wir mit ihr umgehen: wir können sie bejammern und beklagen oder uns darüber ärgern, wir können Schuldige suchen, wir können resignieren und uns als Opfer fühlen, wir können sie verdrängen und so tun, als wäre sie nicht da, all das wird uns aber nicht weiterbringen oder gar helfen.
Wir können aber auch aus der Krise lernen, und versuchen, ihre Botschaft zu hören.
Welche Botschaft könnte die Coronakrise für unsere Welt und jeden Einzelnen von uns denn beinhalten?
Vielleicht einen Aufruf, die Werte unserer Gesellschaft neu zu überdenken – wie zum Beispiel, ob das uneingeschränkte Vergnügen oder das Pochen auf die persönliche Freiheit wertvoller ist, als das Leben der älteren oder kranken Menschen? Also das ICH wertvoller als das DU?
Oder sie gibt uns den Impuls, uns die Frage zu stellen, wie es tatsächlich um die soziale Gerechtigkeit in unserem Land, in der EU, auf unserem Globus und auch in unserem nächsten Umfeld bestellt ist, und was wir persönlich aktiv tun können, um eine gerechtere Welt zu ermöglichen? Ohne eigenen Verzicht im Bereich Luxus und Komfort wird das wohl schwer möglich sein.
Oder die Botschaft, die persönliche Lebenssituation in der Familie ehrlich zu hinterfragen: gerade jetzt kommt so mancher Konflikt durch das enge Zusammenleben der Familienmitglieder, (homeoffice – homeschooling), beziehungsweise durch die fehlenden Ablenkungs- und Fluchtmöglichkeiten aufgrund geschlossener Gastronomie und fehlender Veranstaltungen, ans Licht. Darin liegt die große Chance, auch in unseren Beziehungen etwas zu klären, oder zu verändern.
Was hat das alles mit Weihnachten zu tun?
Die liturgischen Texte in der Adventzeit, also in der Vorbereitungszeit für das Weihnachtsfest, beinhalten immer wieder sinngemäß den Aufruf zur Umkehr, zur Änderung des Lebens, damit der Herr kommen kann! („Bereitet dem Herrn den Weg und bahnt in der Wildnis die Pfade unserem Gott“). Mit „Wildnis“ kann also unser unvollkommenes Leben gemeint sein, das wir ordnen oder verändern wollen, damit Gott in unserem Leben Platz nehmen kann. Corona bietet uns also die Chance, unsere Gedanken, unsere Worte, unsere Handlungen, Einstellungen und Werte, ja, unser ganzes Leben im Hinblick auf das, was in „Unordnung“ geraten ist, ehrlich zu überdenken und anzuschauen. Das ist der erste Schritt zur Veränderung. Das braucht aber Vertrauen und Mut, und kann auch manchmal sehr schmerzhaft sein, wenn man dabei seiner eigenen Unzulänglichkeit, oder seinen Schwächen oder gar seinen seelischen Verwundungen begegnet.  Doch jetzt kommt das Trostvolle und Wunderbare der Weihnachtsbotschaft ins Spiel:
Gerade dort, wo wir schwach, krank, arm, verletzt, traurig, verzweifelt, schuldig oder einsam sind, und zulassen, dass wir Hilfe, Trost, Vergebung und Heilung brauchen, dort sind wir am ehesten bereit, auf Gott zu hoffen und seine Hilfe zu erbitten und anzunehmen! Das ist der Moment der größten Chance in jeder Krise: nämlich die Chance der Gottesbegegnung, die oft auch durch die Begegnung mit einem anderen Menschen, der mich versteht, mir hilft, mich tröstet, mich liebt, passieren kann.
Bei Georg Friedrich Händel im „Messias“ heißt es: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott!  Bringt die Freudenbotschaft nach Jerusalem, und rufet ihr zu, dass ihre Drangsal nun beendet ist, und ihre Missetat vergeben!
In der Corona Krise zeigt sich unsere „Drangsal“ in Form von Nöten, wie Einsamkeit, ob in den Heimen oder zu Hause, Unversöhnlichkeit, Ängsten – existentieller Art, bedingt durch Kurzarbeit oder Jobverlust, oder die Angst vor Krankheit und Tod, und unsere „Missetaten“ in Form von egoistischem Verhalten, oder sozialen Ungerechtigkeiten.
Gott ist da!
Gerade jetzt in dieser Krise will Gott uns nahe sein, Hoffnung und Mut schenken, weil er ein Mensch geworden ist, wie wir, um uns zu verstehen und zu lieben! Und alles, was wir uns selbst und einander an Gutem, also an Liebe schenken, kommt letztlich von IHM, von diesem Messias, der die Liebe in uns ist!
Und das ist mein Weihnachtswunsch in diesem Jahr für Sie, liebe Leserinnen und Leser:
Wenn Sie heuer an der Weihnachtskrippe stehen, allein oder im engsten Familienkreis, möge Ihnen diese Nähe Gottes im Herzen spürbar sein: Gott ist da, geboren, um Ihnen nahe zu sein und um Sie und Ihr Leben heil werden zu lassen!

In diesem Sinne, ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Ulrike Schachner
Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin
Institut für Familienberatung und Psychotherapie der Diözese Graz-Seckau, Zweigstelle Stainach