„Downwash“: Der Weg zurück ins Leben

Die Dreharbeiten zu „Downwash“ fanden großteils im oberen Ennstal statt. Foto: Downwash Film

Es war der 10. Juli 2018, ein normaler Sommertag. Am Stoderzinken fand eine Bergrettungsausbildung statt. Die Leitstelle informierte die diensthabende Crew des C14-Stützpunktes Niederöblarn, dass Freund und Kollege Albert „Api“ Prugger abgestürzt war. Der Film „Downwash“ thematisiert den Kampf zurück ins Leben und was es für die Flugrettung heißt, ein Crewmitglied zu bergen.

Der 24-jährige David Ertl aus Weißenbach bei Liezen studiert an der FH Joanneum Graz Informationsdesign und arbeitet derzeit an seiner Bachelorarbeit. Aus der anfänglichen Idee, einen Kurzfilm zu drehen, wurde schnell eine 40-minütige Dokumentation mit dem Titel „Downwash“. Am 29. Dezember vergangenen Jahres hieß es: Kamera ab. „Im Film geht es darum, wie man nach einem fast tödlichen Unfall zurück ins Leben und in den Beruf findet und wie die Crew damit umgeht, einen eigenen Kameraden retten zu müssen“, erklärt der Regisseur. In der Doku werden verschiedene Blickwinkel auf ein Ereignis gerichtet: Im Zuge einer Bergrettungsausbildung ist Flugretter „Api“ Prugger durch einen Eigenfehler elf Meter im freien Fall in die Tiefe gestürzt und wurde lebensgefährlich verletzt. Nach der Taubergung wurde er in das UKH Salzburg geflogen: „Zum Glück waren wir am Stützpunkt, der Unfall war nicht so weit entfernt und das Wetter war so gut, dass wir eines der Schwerpunktkrankenhäuser anfliegen konnten“, erinnert sich Pilot Robert Schornsteiner und Vater des Regisseurs. Innerhalb einer Stunde befand sich der Verunfallte im Schockraum des Spitals. Schwere Schädel- und Brustkorbverletzung, Lungenverletzung, ein gebrochener Arm, kleine Blutung im Kopf, etc. waren die Folge. Die Ärzte machten klar, dass die vollständige Genesung rund zwei Jahre dauern könne.

Der Bergretter weiß vom Unfall selbst nichts mehr. „Ich habe deshalb auch keine Bedenken, dass mir die Aufarbeitung weh tut. Es war für mich interessant, durch den Film zu erfahren, was man bisher nicht wusste“, beschreibt Prugger die Arbeit mit dem Filmteam. Der Bergretter war fünf Wochen im UKH Salzburg, mehrere Wochen daheim und zwölf Wochen auf Reha. Mit Ende 2018/Anfang 2019 stellte er sich wieder in den Dienst der Flugrettung. In der Red-Bull-Sportakademie konnte er danach noch eineinhalb Jahre trainieren und wurde durch Therapeuten, Sportmediziner etc. betreut. „Die Genesung ist jedoch viel schneller gegangen, weil der Wille einfach da war. Ich wollte wieder Bergführer sein und meinen Job machen. Das Elementare ist, dir Ziele zu setzen“, erzählt Prugger, der nach nur sechs Monaten wieder zu arbeiten begann. „Du bist im Dienst, körperlich zwar fit und dennoch fehlt dir etwas. Du schätzt dich selbst nicht mehr, das Selbstwertgefühl fehlt. Daran musste ich arbeiten. So unfehlbar sind wir nicht, auch wenn wir es manchmal glauben. Das macht ehrfürchtig.“ Aus heutiger Sicht kann er sagen, dass ihm das Bergsteigen keinerlei Angst bereitet.

Barrieren werden durchbrochen

„Man baut im Lauf der Jahre eine Mauer auf, um Einsätze nicht an sich heran zu lassen. Diese Barriere wird, wie beim Unfall von Api, durchbrochen“, so Schornsteiner. Die Crew arbeitet an der Leistungsgrenze – egal ob Flugretter, Pilot oder Notarzt. „Genau das macht uns aus. Im Einsatz sind wir konzentriert und taff. Das Schwierige kommt erst danach, wenn alles auslässt“, ergänzt Prugger. Aus dem Film wurde für den jungen Regisseur Ertl sowie für alle Beteiligten ein sehr persönliches Projekt. Ertls siebenköpfiges Filmteam zeigte dabei vollen Einsatz. Der Regisseur selbst war bei zwei Einsätzen der Flugrettung dabei. Der ÖAMTC stellte für das Projekt eine eigene Kamerahalterung, welche am Hubschrauber montiert wurde, zur Verfügung. „Wir bekamen vom ÖAMTC außerdem zwei Hubschrauber genehmigt, um für Flugaufnahmen eine vergrößerte Platzrunde fliegen zu können“, erklärt Schornsteiner. Drehorte waren hauptsächlich der Stützpunkt des Christophorus 14 in Niederöblarn sowie Ramsau am Dachstein und die Planneralm.

„Der Support war von Anfang an überwältigend: Von der Geschäftsführung des ÖAMTC über die Flugrettung bis hin zur Bergrettung gab es große Unterstützung“, freut sich der 24-jährige Weißenbacher. Derzeit arbeitet das Filmteam an der Postproduktion, die Werbetrommel läuft, Gespräche mit Sponsoren und Unterstützern werden geführt. Ein Hauptsponsor – Ortovox – konnte bereits gefunden werden. Die Veröffentlichung von „Downwash“ ist im Juni geplant, die Vorpremiere findet am Stützpunkt in Niederöblarn sowie in Wien in der ÖAMTC-Zentrale statt. Ein großes Ziel von David Ertl ist auch die Einreichung des Films beim Mountainfilmfestival in Graz.