Distance-Learning kann Unterricht nicht ersetzen

Digitale Lernangebote seien zwar eine gute Ergänzung, können den herkömmlichen Präsenz-Unterricht jedoch nicht ersetzen. Foto: AdobeStock

Die Bildungsdirektion Steiermark plädiert den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten, solange keine gesundheitlichen Gründe eine erneute Umstellung auf Distance-Learning erforderlich machen.
Nach einem Höchststand am 7. November mit über 8000 Neuinfektionen in ganz Österreich sinkt die Kurve langsam nach unten. Trotzdem: Die Zahlen sind nach wie vor alarmierend. Das höchste Ansteckungsrisiko sei im privaten Rahmen gegeben. Beim Treffen mit Freunden, Feiern und anderen Zusammenkünften würde sich ein Großteil der Betroffenen anstecken. Zu diesem Schluss kommen immer mehr Experten, wie etwa der Leiter des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. Und auch die Bildungsdirektion Steiermark betont: „Grundsätzlich sind Schulen nach derzeitigem Wissensstand nicht die Infektionsherde, stattdessen breitet sich der Erreger insbesondere im Rahmen privater Zusammenkünfte ungehemmt aus. Dies belegen eingehende Analysen von Zahlen und Fakten“, sagt Pressesprecher Julian Kampitsch, der betont: „In diesem Sinne plädieren wir dafür, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten, solange keine gesundheitlichen Gründe eine erneute Umstellung auf Distance Learning erforderlich machen.“ Obwohl das Infektionsgeschehen an Schulen nach wie vor gering ist, droht nun eine erneute Schließung. Am heutigen Freitag will die Bundesregierung die Bevölkerung informieren, ob nach der Oberstufe und den Universitäten auch Pflichtschulen geschlossen werden oder weiterhin offen bleiben.
Zwischen Überforderung und Demotivation
Welche gravierenden Auswirkungen die Schulschließung im März und April nach sich zieht, zeigt unter anderem eine Umfrage von „Teach for Austria“. Das Bildungsnetzwerk konzentriert sich auf die Arbeit mit benachteiligten Schülern und hat während des ersten Lockdown in Brennpunktschulen in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich eine Umfrage gestartet. Das Ergebnis: 20 Prozent aller Schüler waren für Lehrer nicht erreichbar. Ein zusätzliches Problem zeigte sich in der Motivation, die 60 Prozent der Befragten als große Hürde angaben. Etwas mehr als die Hälfte der Teach-for-Austria-Lehrer ging davon aus, dass ihre Schüler mit dem Distance-Learning überfordert seien. Rund die Hälfte hatte Probleme mit der selbstständigen Organisation. Auch in der Bildungsdirektion Steiermark sieht man Distance-Learning als bloße Ergänzung zum regulären Unterricht: „Auch wenn digitale Lernangebote eine wunderbare Ergänzung des Unterrichtsgeschehens darstellen, hat sich gezeigt, dass Distance Learning den herkömmlichen Unterricht aus einer Vielzahl von Gründen nicht gänzlich ersetzen kann. Unsere Lehrer und Lehrerinnen sind wohl niemals ersetzbar.“
Kinder haben ein Recht auf Bildung
Obwohl die Schulen für eine Umstellung auf Distance-Learning wesentlich besser vorbereitet wären als noch im Frühjahr, sei und bleibe es ein großes Anliegen, einen möglichst normalen Unterrichtsbetrieb in den Schulen zu gewährleisten, heißt es aus dem Büro der Bildungsdirektion Steiermark, denn „letztlich haben die Schulkinder ein Anrecht auf Bildung. Darüber hinaus sind Schulen nicht nur Orte des Lernens, sondern auch des sozialen Miteinanders. Für Schülerinnen und Schüler hat die Schule auch einen großen emotionalen Wert. Freunde sehen, Freud, Leid miteinander teilen. Miteinander aufwachsen, erwachsen werden. Daher kann eine Schulschließung nur die letzte in Betracht zu ziehende Lösung sein. In Frankreich und Deutschland bleiben die Schulen offen“, gibt Pressesprecher Julian Kampitsch zu bedenken.