Diktatur auf Zeit

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Was vor wenigen Wochen noch als vorübergehendes Phänomen in China betrachtet wurde, hat inzwischen unser Leben so stark verändert wie kein Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir leben mehr oder weniger unter Hausarrest, dürfen unsere besten Freunde nicht mehr sehen und haben uns plötzlich vor der Polizei zu rechtfertigen, wenn wir uns im öffentlichen Raum aufhalten. Und doch scheint diese temporäre Abschaffung von wesentlichen Teilen der freiheitlichen Rechte in weiten Teilen der Bevölkerung auf breite Zustimmung zu stoßen.
Das liegt einerseits an einer sehr breiten Koalition von Meinungsbildnern und Medien, die uns die Notwendigkeit der Maßnahmen tagtäglich predigen. Und andererseits an den schrecklichen Bildern, die uns aus Italien und anderen Teilen der Welt erreichen und uns vor Augen führen, dass es sich tatsächlich um eine Ausnahmesituation handelt. In Zeiten wie diesen scheint die Angst den Menschen zu lenken und man ist gemeinhin bereit, auch massive Einschränkungen zu ertragen.
So diszipliniert wir auch einstweilen die wohl richtigen Maßnahmen der Regierung mittragen, so wichtig wäre inzwischen eine klare Aussage bezüglich der Zukunft. Spätestens wenn gegen Ende der Woche der Blick klarer wird, sollte man uns deutlich sagen, wann und in welchem Umfang wir unsere Grundrechte wieder zurückbekommen. Denn wir haben sie nicht aufgegeben, sondern nur geliehen, und die Geduld ist enden wollend.