Die Klamm ist wieder geöffnet

Ein einzigartiges Naturerlebnis bietet die Wörschachklamm. Angesichts der zunehmenden Extremwetter-Ereignisse und der immer präsenter werdenden Haftungsfrage, setzte die Gemeinde im Vorjahr ein umfassendes Sicherheitskonzept um. Seit letzter Woche ist die Klamm wieder geöffnet. Foto: Ennstaler

Anfang August 2020 wurde die Wörschachklamm gesperrt. Nach Umsetzung eines neuen Sicherheitskonzeptes ist das Naturdenkmal seit letzter Woche wieder für Besucher freigegeben. Die Sicherungs- und Sanierungsarbeiten gestalteten sich als aufwendig und kostspielig.

Über Jahrtausende hat sich der Wörschachbach seinen Weg gegraben und damit eine spektakuläre Schlucht geschaffen. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde durch die Klamm Holz und Holzkohle transportiert. Kurze Zeit später rückte sie als Sehenswürdigkeit in den Fokus der Öffentlichkeit. Ein erster Stegabschnitt zur Begehung wurde 1901 errichtet, schon ein Jahr später konnte man die gesamte Klamm durchwandern. Seit vielen Jahrzehnten ist das Naturdenkmal ein beliebtes Ausflugsziel, mittlerweile besuchen pro Saison an die 35.000 Besucher die Wörschachklamm.

Als Erhalter führte die Gemeinde jedes Frühjahr Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen durch. Dies betraf insbesondere die Entfernung von lockerem Gestein sowie Aussbesserungs- und Erneuerungsarbeiten an der Steganlage. Die Arbeiten wurden von der Gemeinde in Kooperation mit der Bergrettung und der Freiwilligen Feuerwehr durchgeführt. In den letzten Jahren griff man vermehrt auch auf einschlägig erfahrene Firmen zurück, welche 2015 die ersten Schutznetze in aufwändiger Arbeit montierten. Je nach Witterungsverhältnissen und Schneelage lagen die jährlichen Erhaltungskosten um die 15.000 Euro. „Durch die zunehmenden Extremwetter-Verhältnissen haben sich Steinschläge und Felsstürze gehäuft“, sagt der Wörschacher Bürgermeister Franz Lemmerer. Gleichzeitig sei die Haftungsfrage immer präsenter geworden.

 

Neues Sicherheitskonzept

„Wir hatten immer schon Bauchweh, was die Haftung betrifft“, so Lemmerer, „Im ersten Pandemie-Jahr waren wir sehr gut besucht. Nach Rücksprache mit Experten sahen wir uns gezwungen Anfang August schweren Herzens die Klamm aus Sicherheitsgründen zu sperren.“ Unmittelbar danach begannen die Vorbereitungen für die neue Sicherungsmaßnahmen. Die Gemeinde ließ ein Konzept ausarbeiten, in dem Geologen Schwachstellen eruierten und das Gefahrenpotenzial bewerteten. Die Kosten für die Umsetzung beliefen sich auf 403.000 Euro.

Aufwändige Sicherungsarbeiten

Das Konzept sah vor lockeres Gestein mittels Schremmhammer zu lösen oder zu sprengen. Daneben waren auch forstliche Maßnahmen notwendig und es mussten Bäume entnommen werden. Zwar konnten Hubschrauber Material ein- und ausfliegen, eine Luftunterstützung bei den forstlichen Maßnahmen war allerdings zu gefährlich und die Bäume mussten in die Klamm geschnitten werden. Gesteinsmaterial und Bäume zerstörten in etwa drei Viertel der bestehenden Steganlage. Während der Arbeiten ist auch die durch die Klamm führende Ortswasserleitung gerissen. Nachdem auch zeitgleich die Pumpe vom Tiefwasserbrunnen den Geist aufgab, waren die Wörschacher Haushalte kurzzeitig ohne Trinkwasserversorgung.

Freigabe erteilt

Neben weiteren Steinschlagnetzen und neuen Stegen soll ein Leitsystem für zusätzliche Sicherheit sorgen. Hinweisschilder animieren die Besucher die Stege zügig zu durchwandern und nur in den vorgesehenen Ruhezonen länger zu verweilen.

Letzte Woche wurde die Wörschachklamm für Besucher wieder offziell freigegeben. „Es sind noch kleine Restarbeiten geplant, das tangiert den laufenden Betrieb allerdings nicht“, erläutert Franz Lemmerer. Im Herbst soll der Klamm-Eingangsbereich neu gestaltet werden. Der in die Jahre gekommene Verkaufsraum und eine gastronomische Infrastruktur erfahren eine zeitgemäße Gestaltung.