Der „Hausmeister“ wurde festgenommen

Tätliche Angriffe, gefährliche Drohungen, Vandalismus – die großzügige Auslegung des „Selbsthilferechts“ am Sommersbergsee wurde dem „Hausmeister“ zum Verhängnis. Foto: Christoph Huber

Der sich seit einigen Monaten einer ordentlichen Gerichtsverhandlung entziehende 71-jährige Geschäftsmann und  selbsternannte „Hausmeister“ beim Sommersbergsee wie auch beim „Schottergrubenparkplatz“ wurde festgenommen.

Am Sommersbergsee terrorisierte ein 71-jähriger Geschäftsmann aus Graz über Jahre zahlreiche Besucher und sorgte für sommerliche Dramen (wir berichteten). Da wurde Superkleber in Türschlösser gedrückt, Fahrräder an Bäume gekettet und „Lösegeld“ verlangt, Kleidungsstücke versteckt, selbst für tätliche Angriffe muss sich der Angeklagte rechtfertigen. In den Gerichtsverhandlungen narrte der Angeklagte die Justiz.

Er erschien vor Gericht nicht oder nur kurz, weil er aufgrund selbst diagnostizierter gesundheitlicher Pro­ble­me das Gerichtsgebäude wieder verlassen musste. Verhandlungen mussten vertagt oder unterbrochen werden und regelmäßig entzog sich der Angeklagte dem Prozess.

Im Fall um den Sommersbergsee wurde der „Haus­meister“ im Frühsommer wegen Flucht­gefahr zur Fahndung ausgeschrieben. Im Juni entging er nur knapp einer Festnahme. Als er die Polizeibeamten sah, flüchtete er zu Fuß über eine Treppe.

Die Medienbeauftragte Richterin in Leoben, Sabine Anzenberger, bestätigte die Fest­nahme: „Ja, der gesuchte Angeklagte wurde am 22. Oktober in Graz festgenommen. Grund dafür war Flucht­gefahr und es wurde U-Haft über ihn verhängt. Derzeit befindet er sich in der Justizvollzugsanstalt Leoben.“ Der Häftling beschäftigt weiterhin die Justiz und hat eine Haftbeschwerde eingegeben, die nun vom Oberlandes­ge­richt in Graz behandelt werden müsse. Richterin Elisabeth Dieber bestätigt den Eingang des Schrift­stücks aus Leoben: „Die Haftbe­schwerde ist am 28. Oktober am Oberlandesgericht Graz eingelangt und wurde vorerst der Oberstaats­anwaltschaft Graz zur Stellung­nahme übermittelt. Über die Be­schwer­de wird in Anbetracht der einzuhaltenden gesetzlichen (Haft-) Fristen in absehbarer Zeit vom zuständigen Strafsenat entschieden werden.“

Beim Schottergrubenparkplatz teilte der Geschäftsmann aus Graz sogar mehr als 500 Besitzstörungsklagen aus. Jeder, der die üppige Benützungsgebühr nicht zahlte, wurde umgehend mit einer Besitzstörungsklage eingedeckt. Auch Fußgänger. Darunter waren auch damals siebzig Mitglieder einer Blasmusikkapelle, die von der Feuerwehr dort eingewiesen wurden.

Aufgrund der Dimension musste damals die Verhandlung vom Bezirksgericht in das Kulturhaus Liezen ausgelagert werden.

Während der Angeklagte sich beim Sommersbergsee-Prozess mit allen zur Ver­fügung stehenden Mitteln gegen ein Urteil sträubt, ist er im Fall rund um die „Schottergrube“ sehr aktiv. Er schickt an hunderte E-Mail-Empfän­ger seitenlange Nachrichten mit Informationen, warum aus seiner Sicht, respektive der Sicht der MB BA Hotel Errichtungs GmbH, alle anderen Unrecht haben. Dabei spart er weder mit Anschuldigungen noch mit Beschimpfungen. Mit der Festnahme des selbst ernannten Exekutivorgans, welches am Sommers­bergsee mit seiner Gruppe für Aufsehen sorgte, ist das Erscheinen des Mannes beim nächsten Gerichts­termin in dieser Causa am 23. November gesichert.