Der Geopark Eisenwurzen feiert Jubiläum

Geologisch einzigartig: Die Kraushöhle in Gams ist die einzige Höhle Mitteleuropas, in der Tropfsteine und Gipskristalle vorkommen. Foto: Stefan Leitner

Vor 20 Jahren gegründet, steht der Geopark Eisenwurzen heute unter der Schirmherrschaft der UNESCO. Seine geologischen Besonderheiten locken jährlich zahlreiche Besucher in die Region und bescheren dem Tourismus einen Aufschwung.

Die Eisenwurzen ist die einzige Region Österreichs, die einen Natur- mit einem Geopark vereint. Grund dafür sind die vielen geologischen Besonderheiten, die auf einer Fläche von 586 km² in schützenswerter Kulturlandschaft auftreten. „In der Eisenwurzen sind Fossilien entdeckt worden, die so einzigartig sind, dass ihr Fundort sogar in die Erdgeschichte eingegangen ist“, sagt Oliver Gulas, Geschäftsführer des Natur- und Geoparks Eisenwurzen, der sich auf Versteinerung bezieht, die vor etwa 247 bis 242 Millionen Jahren entstanden sind. Dieser Zeitraum markiert die erste Stufe des Mittleren Trias und trägt die Bezeichnung „Anisium“, benannt nach dem Fluss „Enns“, dem Fundgebiet der fossilen Einzigartigkeiten. Besonders bekannt für seine außergewöhnliche Geologie ist der kleine Ort Gams. Die dortige Kraushöhle ist die einzige Höhle Mitteleuropas, in der sowohl Tropfsteine als auch Gipskristalle vorkommen. In den vier Geopark-Gemeinden St. Gallen, Altenmarkt, Landl und Wildalpen ist man „stolz darauf, in der Eisenwurzen zu leben“, sagt Gulas, „das merkt man auch daran, dass die Menschen sehr interessiert an der Besonderheit der Geologie sind und an vielen Vorträgen teilnehmen.“

Neuer Besucherrekord

Der Geopark hat auch neue Arbeitsplätze geschaffen, speziell im Tourismus. Bis zu 30.000 Eintritte verzeichnet die Wasserlochklamm von Mai bis Oktober, das Geodorf Gams wurde im Vorjahr im selben Zeitraum von rund 10.000 Menschen besucht. „Ein neuer Rekord“, wie Gulas hervorhebt. Die Corona-Pandemie hat das Urlaubs- und Freizeitverhalten der Menschen verändert. Davon profitiert auch die Eisenwurzen: „Die Leute zieht es mehr in die Natur als früher. Und sie bleiben auch länger“, so Gulas. Ein Trend, den man auch in der Eisenwurzen zu nutzen versteht. Leerstehende Gebäude, wie die alte Volksschule in Hiefl­au, werden wiederbelebt und touristisch genutzt. Der Natur- und Geopark unterstützt im Marketing und stellt darüber hinaus eine eigene Buchungsplattform für Unterkünfte zur Verfügung. „Auf Wunsch organisieren wir auch die Reinigung und den Zimmerservice für unsere Nächtigungsbetriebe“, erörtert der Natur-und-Geopark-Geschäftsführer. Eine Strategie, die Früchte trägt. Die Region verzeichnet einen Nächtigungszuwachs, wobei „sicher noch Luft nach oben ist“, so Gulas, „vor allem die Nebensaisonen müssen noch mehr belebt werden. Daran wollen wir laufend weiterarbeiten.“

Geschichtsträchtige Vergangenheit

Der Erzberg und die einstigen Kohlbrenner haben die Region stark geprägt. Heute zeugen Museen von der geschichtsträchtigen Vergangenheit der Eisenwurzen. Im Köhlerzentrum in Hiefl­au beleuchtet eine Ausstellung zu Kunst- und Kultur die Themen Erdgeschichte, Geologie und Naturschutz. Im Silvanum, einem einstigen Getreidespeicher in Großreifling, ist ein Forstmuseum untergebracht und das Museum HochQuellenWasser in Wildalpen erzählt über den Bau und die Funktion der zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung. Immer wieder kommen Forscher verschiedener Einrichtungen nach Gams, wo vor einigen Jahren sogar Dinosaurier-Relikte gefunden wurden.

Geologie im Unterricht

Naturwissenschaftliche Themen rund um den Natur- und Geopark Eisenwurzen werden jedoch nicht nur von den Museen, sondern auch in den örtlichen Naturparkschulen vermittelt. Highlight: Ein EU gefördertes, länderübergreifendes Erasmus-Projekt, das Geologie und Englisch im Unterricht miteinander verknüpft. Und auch außerhalb der regionalen Naturparkschulen hat der Geopark für Bildungseinrichtungen so einiges anzubieten. „Wir organisieren Projekttage für Schulen aus ganz Österreich“, so Gulas, der vor allem „die große Nachfrage an den Schulprogrammen“ unterstreicht. Kein Wunder, schließlich befindet sich in der Region Eisenwurzen der einzige Geopark der Steiermark, der „mitten in Österreich die Komponenten Geologie, Wasser und Wald vereint und das fernab des Massentourismus“, so Gulas. Es ist ein Erlebnis der besonderen Art, das genauso das Genießen einer schützenswerten Kulturlandschaft als auch das Entdecken vieler geologischer Besonderheiten ermöglicht.

Veranstaltungstipp: Das 20-jährige Jubiläum feiert der Geopark Eisenwurzen mit einem großen Regionsfest am 26. Juni ab 10 Uhr im Geodorf Gams.