Demos im Bezirk: Corona-Spaziergänge sorgten für Aufregung

Gegen Ende der Versammlung kontrollierten die Polizisten die Maskenpflicht und Abstände. Laut Demonstranten sorgte die „künstliche Eintrichterung der Menge durch Polizeibusse“ für Eskalation

Auch im Bezirk Liezen gab es in den vergangenen Wochen mehrere Corona-Demonstrationen. Die Eindrücke diesbezüglich sind zweigeteilt und auch die Meinungen in der Bevölkerung sind zweigeteilt. Die Polizei spricht von Kontrollen, die Teilnehmer von „roher Gewalt“.
Die größte Demonstration fand am Dreikönigstag in Liezen statt. Rund 30 Personen wurden angezeigt, Gründe waren der fehlende Mund-Nasen-Schutz, das Nicht-Einhalten des Mindestabstandes, einige weigerten sich ihre Identität preiszugeben. Demonstranten berichten dem „Ennstaler“ von „roher Gewalt“ seitens der Polizei und „völliger Eskalation“.
Bereits vor Weihnachten fand in Altaussee der erste Lichterspaziergang gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung statt, es folgten Bad Mitterndorf und Irdning. Bezirkspolizeikommandant Siegmund Schnabl und Chefinspektor Raimund Sulzbacher berichten von jeweils ca. 100 Teilnehmern und vorbildlichen Abläufen. Die Polizei als ausführendes Organ kontrollierte bei jeder Versammlung in Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde, sprich der Bezirkshauptmannschaft, welche auch selbst bei jeder Versammlung vor Ort war. Mittels Lautsprecherdurchsagen wurden die Teilnehmer zu Beginn darauf aufmerksam gemacht, Masken zu tragen sowie den Mindestabstand einzuhalten. „Kurz vor Ende der Spaziergänge wurden seitens der Beamten dann Kontrollen durchgeführt und bei Übertretungen gehandelt“, erklärt Sulzbacher.
Ruhiger Protestzug in Gröbming
Anfang Jänner fanden dann in Gröbming und Liezen zwei weitere „Corona-Spaziergänge“ statt. Pünktlich um 16 Uhr strömten Leute mit Laternen in der Hand herbei. „Man staunte nur, wie breit das Spektrum der Teilnehmer war: erfolgreiche Unternehmer, fleißige Arbeiter, Lehrer, Sozialarbeiter, junge Mütter, aktive Pensionisten – die gesamte Bandbreite. Allesamt gut situierte Leute, keine Rabauken, die vielleicht grölend durch die Gassen ziehen“, berichtet ein Teilnehmer in Gröbming. Die Demonstranten spazierten durch das Ortszentrum von Gröbming, nach knapp einer Stunde löste sich der schweigende Protestzug von selbst wieder auf. „Die Polizisten der Inspektion Gröbming verhielten sich dabei geradezu vorbildlich. Der Zug wurde zwar eskortiert und fotografisch von der Behörde dokumentiert, aber die Polizei fand die richtige Mischung, um jegliche Eskalation zu verhindern“, so der Teilnehmer.
30 Anzeigen in Liezen
Ganz anders gestaltete sich die angemeldete Versammlung am 6. Jänner in Liezen. Die Polizei spricht von in etwa 400 Demonstranten – teils Personen aus dem Bezirk Liezen, teils von anderen Bezirken. Rund 45 Polizisten waren im Einsatz, davon zwei Beamte mit ihren Hunden sowie Exekutivbeamte von der Einsatzeinheit Steiermark. Die Teilnehmer wurden von Bezirkshauptmann Christian Sulzbacher eingangs begrüßt. Der Weg führte dann vom Bahnhof über den Fronleichnamsweg bis zur Hauptstraße und weiter über die Ausseer Straße bis in die Döllacherstraße, wo die Exe­kutivbeamten Kontrollen hinsichtlich Mund-Nasen-Schutz und Mindestabstand durchführten, die laut Polizei bereits bei Beginn der Versammlung angekündigt wurden. Da und dort hörte man „Friede, Freiheit und Demokratie“ im Kanon. Während des ganzen Zuges gab es viel Lob für die Exekutive, bis 300 Meter vor dem Ende der Demo die Situation eskalierte. „Die Polizei trichterte genau auf Höhe der Polizeiinspektion Liezen in der Döllacherstraße die Straße ab, um Maskenkontrollen durchzuführen. Durch dieses künstlich herbeigeführte Einengen konnten die Abstände natürlich nicht mehr eingehalten werden, es begann sich zu stauen, es entstand Hektik und Stress“, erzählt ein Teilnehmer. Eine Dame kollabierte und die Rettung musste gerufen werden. Die Demonstranten sprechen von einem „Musterbeispiel, wie sich eine Eskalationsspirale zu drehen beginnt“. Außerdem seien Teilnehmer aus dem Zug mit roher Gewalt „herausgefischt“ worden. Schnabl und Sulzbacher dazu: „Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut und wenn es den Richtlinien entspricht, wird man nichts dagegen sagen. Bei Übertretung müssen wir jedoch handeln.“ So wurde beispielsweise ein Mann von fünf Polizisten abgeführt, da er sich einer Identitätsfeststellung verwehrte und ein Messer bei sich trug. In Summe hagelte es in Liezen rund 30 Anzeigen.