Corona: Werden Eltern nun zu Bittstellern?

Wer die Eintritts-Tests ablehnt, bleibt daheim. Nicht alle Schüler kehren in den Präsenzunterricht zurück. Foto: AdobeStock

Besorgte Eltern fürchten um die psychische Gesundheit ihrer Kinder. Wer Eintritts-Selbsttests und die (FFP2) Maskenpflicht ablehnt, ist vom Präsenzunterricht ausgeschlossen. Nicht alle Kinder kehren an ihre Schulbänke zurück.
Nachdem der Schulbetrieb in Wien und Niederösterreich vorige Woche wieder startete, öffneten diesen Montag die steirischen Schulen: Die Volksschulen mit täglichem, Sonderschulen mit teilweisem Präsenzunterricht, Schichtbetrieb gibt es für Mittelschulen sowie für die AHS-Unterstufe und Polytechnischen Schulen. Voraussetzung für die Teilnahme am Schulbesuch sind die „Eintritts-Selbsttests“, wie sie das Ministerium bezeichnet. Zweimal pro Woche müssen sich vor Unterrichtsbeginn alle Schüler vor Ort testen. „Ohne die Selbsttests wäre ein Präsenzunterricht nach wie vor nicht möglich“, heißt es in einem Schreiben von Bildungsminister Heinz Faßmann an die Eltern. Deswegen seien die Tests verpflichtend für alle teilnehmenden Kinder. Zusätzlich zu den Tests ist eine Maskenpflicht obligat: In der Volksschule außerhalb der Klassen- und Gruppenräume, in der Unterstufe im gesamten Schulgebäude und in der Oberstufe mit FFP2-Maske.
Freiwilligkeit
Damit der Test an der Schule durchgeführt werden kann, bedarf es einer Einverständniserklärung der Eltern. Die Bildungsdirektion betont die Freiwilligkeit der Tests, eine Ablehnung der Tests stellt jedoch den Ausschluss aus dem Frontalunterricht dar. Die gesamte Verantwortung für die Erarbeitung des Lernstoffs wird an die Schüler bzw. deren Eltern abgegeben. Zwar bekommen die Schüler Arbeitsaufträge zu Verfügung gestellt, wie und in welchem Umfang liegt im Ermessen der Schule, so die Bildungsdirektion Steiermark.
Proteste der Eltern
„Diesen subtilen Druck, der permanent und zwischen den Zeilen spürbar ist, prägt seit einem Jahr unsere Kinder. Wir müssen uns im Klaren sein, welche Konsequenzen diese Vorgangsweise zur Folge hat. Ein positiver Test ohne Wahrung der Privatsphäre ist eine Stigmatisierung, die ich meiner Tochter ersparen möchte. Eine medizinische Untersuchung ohne medizinisches Personal ist eine Grenzüberschreitung, die wir nicht akzeptieren“, berichtet eine Mutter. Zum Glück könne sie sich den Luxus leisten und als Selbstständige die Arbeitszeiten einteilen, sodass ein Unterricht zuhause möglich sei. Zwar werden die Lernunterlagen zur Verfügung gestellt, dennoch sei sie „Bittstellerin“. „Wir hanteln uns Woche für Woche nach vor und hoffen, dass der Spuk bald vorbei ist. Bleiben diese inakzeptablen Auflagen noch länger, werden wir ab Herbst in den häuslichen Unterricht gehen.“
Angst vor den Folgen
Eine andere Mutter erzählt von ihrer Tochter, die das Gymnasium besucht. „Sie würde gern die Schule besuchen, hat aber Angst vor den Folgen, die eine positive Testung hätte. Das ist nicht nur ein ‚Nasenbohrer-Test‘ und ich verstehe nicht, warum Eltern hier nicht reagieren.“ Ihr Sohn, der die Volksschule besucht, bleibt ebenfalls daheim. Das verlangt ein straffes Zeitmanagement: „Wir jonglieren mit unserer Zeit seit fast einem Jahr und sind an unserer Belastungsgrenze angelangt, aber solange die Tests Voraussetzung für einen Schulbesuch sind, bleiben meine Kinder zuhause.“ Sie habe die Pflicht ihre Kinder zu schützen, denn „wenn meine Tochter zum Atmen ohne Maske auf die Toilette gehen muss, dann ist für mich Schluss.“ Abgesehen davon sei eine Maskenpflicht in Anbetracht der Testungen ein Schildbürgerstreich. Die im Frühjahr vom Bildungsministerium verordnete Maskenpflicht sowie die Klassenteilung beurteilte der Verfassungsgerichtshof im Dezember als gesetzeswidrig.