Corona-Teststation in Liezen: Abstrich durchs Autofenster

So sieht die mobile Covid-19-Testation in Liezen aus. Sie kann bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit ab- und wieder aufgebaut werden. Foto: Tritscher

In Liezen gibt es seit Mitte Juli einen Covid-19-Drive-In. Dieser wurde im Auftrag der Sanitätsbehörde und der BH Liezen eingerichtet. Die Teststation befindet sich in einem Container neben der Rotkreuz-Bezirksstelle. Geschäftsführer Bernhard Gugl und Bezirksrettungskommandant Gernot Leitner sprachen mit dem „Ennstaler“ über die Herausforderungen in Zeiten der Corona-Krise und den Ablauf der Probenabnahmen.
Die Testungen werden über die Bezirkshauptmannschaft sowie über das Gesundheitstelefon 1450 in Auftrag gegeben. Der Abstrich selbst, ab Bekanntwerden des Verdachtsfalles bis zur Testung, dauert in der Regel derzeit unter 24 Stunden. Nach dem Anruf beim Gesundheitstelefon 1450 und Abfrage der aktuellen Symptome, die auf Bundesebene vorgegeben werden, wird entschieden, ob eine SARS-CoV2-Testung durchgeführt wird oder nicht. Danach gibt es zwei Möglichkeiten: So bekommt der Proband entweder einen fix zugewiesenen Termin im Corona-Test-Drive-In oder das Rote Kreuz fährt, beispielsweise bei Menschen, die nicht mobil sind oder schwerer unter den Symptomen leiden, direkt zum Probanden vor Ort. „Im Drive-In waren bereits zahlreiche Privatpersonen, die auf Covid-19 getestet werden wollten. All jene müssen wir jedoch wegschicken. Die Testung funktioniert ausschließlich nach vorheriger Terminzuweisung durch 1450 oder der Bezirkshauptmannschaft“, erklärt Bernhard Gugl.
Ablauf im Drive-In
Bei der Teststation stellt sich der Proband mit seinem Fahrzeug an, erst nach Kontrolle der Personalien geht es quasi zum „Check-In“. Während des gesamten Ablaufes bleibt die Person im Auto sitzen, öffnet lediglich das Fenster und ein Team des Roten Kreuzes zieht im Rachen eine Probe, die bereits am selben Tag noch in ein Labor geschickt wird. Auf die Dauer der Auswertung hat das Rote Kreuz keinen Einfluss. Über das Testergebnis wird die Person durch die Bezirkshauptmannschaft verständigt. Bei den Abnahmen direkt beim Probanden vor Ort wird das gleiche Team entsandt, der Rettungswagen ist mit dem gesamten Equipment und der notwendigen Schutzausrüstung ausgestattet.
Seit April haben die Rotkreuz-Mitarbeiter rund 894 Proben gezogen und 21.957 Kilometer gefahren. Bis Mitte Juli, vor dem Einrichten der Teststation, wurden die Abstriche ausschließlich vor Ort entnommen. „Wir forcieren natürlich den Drive-In, da wir viel effizienter arbeiten können. Pro Stunde werden rund zehn bis 14 Abstriche gezogen“, führt der Bezirksrettungskommandant aus. Im Schnitt führt man derzeit ca. 15 bis 20 Testungen pro Tag durch. Die Teststation ist so ausgelegt, dass sie auf unbestimmte Zeit eingesetzt werden kann. Der Container lässt sich außerdem jederzeit abbauen und an einem x-beliebigen Ort innerhalb kürzester Zeit wieder aufstellen. Testungen werden täglich durchgeführt. Vor Dienstbeginn erfahren die Mitarbeiter die Anzahl der Probenabnahmen, so können die Öffnungszeiten flexibel gestaltet werden.
Alle Rettungs- und Notfallsanitäter – für den Bezirk Liezen rund 400 Personen – müssen bis Ende August verpflichtend eine zusätzliche Ausbildung, die Befähigung zur Abnahme eines Mund-Nasen-Abstriches sowie zur kapillaren Blutabnahme in Theorie und Praxis absolvieren. „Im Bezirk Liezen sind wir mit unseren Ortsstellen gut aufgestellt, was natürlich einen hohen Sicherheitsfaktor für die Bevölkerung darstellt“, so Leitner. Die Ortsstellen stehen in regelmäßigem Kontakt mit den Gemeinden und Behörden, das Material wird von der Bezirksstelle verwaltet, ebenso die Bestückung der Rettungswägen und den elf Dienststellen.
Enorme wirtschaftliche Folgen
Das Coronavirus hat aber auch die Einsatzorganisation finanziell getroffen: „Wie viele andere Betriebe im Bezirk Liezen haben wir hohe Umsatzeinbußen, unter anderem durch den bedingten Rückgang der Krankentransporte von März bis Mai sowie die fehlenden Ambulanzdienste und dem Pausieren des Kurswesens.“ Der Personalstand im aktiven Rettungsdienst konnte und musste, gilt das Rote Kreuz doch als kritische Infrastruktur, trotzdem gehalten werden. Auch was den Einsatz-Ablauf betrifft, hat sich einiges verändert. Die Dauer ist durch die aufwendigen Vor- und Nachbereitungen um ein Vielfaches länger. „Die freiwilligen und beruflichen Mitarbeiter sowie Zivildiener im Rettungs-Notarztdienst haben uns in jeglicher Hinsicht tatkräftig unterstützt. Auch die Bereitschaft unserer Mitglieder und Spender war unglaublich. Der Abgang aus dem Rettungsdienst selbst finanziert sich fast ausschließlich aus Spenden. Wir sind also auf jeden Euro angewiesen“, erklärt der Bezirksgeschäftsführer.
Schutz für Mitarbeiter und Patienten
Coronabedingt gab es im Team nur wenige Ausfälle, Vorkehrungen wurden dennoch in hohem Maße getroffen. „Wir waren für den Worst-Case gut vorbereitet. Ausreichend Schutzmaßnahmen wurden getroffen und diese haben Wirkung gezeigt. Man darf die Achtung vor dem Virus auf keinen Fall verlieren. Seit der Lockerung der Maskenpflicht und der Urlaubszeit steigen die Zahlen wieder stetig. Wir appellieren, im öffentlichen Bereich den Mindestabstand und die Händehygiene einzuhalten sowie einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Weiters empfehlen wir die App ,Stopp Corona‘ zu nutzen.“ Wenn man Symptome hat oder erkrankt, hilft die App, alle Personen, die einem in den letzten drei Tagen begegnet sind, automatisch zu warnen.
Steiermarkweit gingen nur im Monat März 48.000 Anrufe beim Gesundheitstelefon 1450 ein, bis Ende Juli wurden weit über 80.000 Anrufe verzeichnet. Vom Roten Kreuz wurden mehr als 20.000 Probenabnahmen im Bundesland durchgeführt, bei über 3000 Covid-19-Einsätzen standen die Sanitäter im Rettungsdienst. Die Zusammenarbeit und der Kontakt mit Behörden, anderen Einsatzorganisationen, Polizei, Bezirkshauptmannschaft und den Ärzten sowie den Krankenhäusern im Bezirk ging Hand in Hand. „Ein Miteinander ist wichtig, denn wir können alle voneinander profitieren.“ Als zukünftige Herausforderungen sehen die beiden den kommenden Herbst und Winter. Glaubt man den Experten, wird es zu einem neuerlichen Covid-19-Anstieg in Verbindung mit grippalen Infekten und der Influenza kommen. Daher der Appell, sich gegen Influenza impfen zu lassen und bei Symptomen 1450 zu kontaktieren. Eine Planung und Abhaltung von möglichen Großveranstaltungen und den dazugehörigen Ambulanzdiensten wird auch eine Herausforderung, da die derzeitige Entwicklung nicht vorhersehbar ist.