Bitterer Abschied

Bildquelle: Cicero online

Zwanzig Jahre lang haben die USA gemeinsam mit den westeuropäischen Staaten versucht, in Afghanistan eine stabile Regierung zu bilden und das Land zu befrieden. Das hat mehr als 2000 Soldatenleben und Zehntausende Verletzte gekostet, Abermilliarden Dollar verschlungen und doch zu keinem Ergebnis geführt. Die jetzt passierte Eroberung des ganzen Landes durch die Taliban kann getrost als eine der größten Niederlagen in der Geschichte des Westens gelten.

Wie auch in einigen anderen arabischen Staaten zeigte sich, dass man von außen nicht über jedes Land eine Demokratie stülpen kann. Auch wenn das in bester Absicht geschieht, sind eben scheinbar gewisse Gesellschaften einfach nicht soweit, von einem Tag auf den anderen so tiefgreifende Veränderungen umzusetzen. Zudem spielen regionale und religiöse Strukturen in diesen Ländern eine sehr bedeutende Rolle, auf die die „alten“ Machthaber nicht verzichten wollen. Zusammen mit der blühenden Korruption der neuen Machthaber sorgte das für große Unzufriedenheit in der Bevölkerung.

Trotzdem ist es angesichts der Schreckensherrschaft der Taliban in der Vergangenheit absolut unverständlich, dass sich kein Widerstand regt. Immerhin stehen den 60.000 Kämpfern der Taliban mehr als dreimal so viele Regierungstruppen gegenüber, und das noch dazu mit viel besserer Ausrüstung. Und schließlich möchte man meinen, auch das Volk müsste sich gegen die blutige Diktatur auflehnen. So aber bleibt man fassungslos zurück, wohl wissend, dass Afghanistan auch weiterhin ein Krisenherd ist.