Bezirk: Wirtschaft ist vorsichtig optimistisch

Insgesamt 820 Unternehmer haben in der Steiermark an den Konjunkturumfrage der WKO teilgenommen. Besonders pessimistisch sind aktuell die Unternehmer im Großraum Graz und in der Hochsteiermark. Am vergleichsweise „besten“ wird die aktuelle Wirtschaftslage im Murtal und in Liezen eingestuft. Für den Bezirk Liezen zeigen die Konjunkturdaten zum Gesamtumsatz und zur Auftragslage einen historischen Tiefstand – aber mit ersten Aussichten auf Besserung.
Bei den Geschäftserwartungen zeigen die Trendpfeile für die kommenden Monate nämlich nach oben. Nach einem durchwegs positiven Start ins Jahr 2020 wurde die Wirtschaft in Liezen durch das Virus jäh gebremst. Eine konjunkturelle Vollbremsung, die sich auch deutlich auf die Saldenwerte zum bisherigen Geschäftsverlauf auswirkt. „Damit haben sich die Erwartungen aus unserer Frühjahrsumfrage leider erfüllt“, erklärt Regionalstellenobmann Egon Hierzegger, der aber auch von einem „ersten Silberstreif am Konjunkturhimmel“ zu berichten weiß. Denn beim Ausblick auf die Geschäftserwartungen der kommenden Monate zeigen die Trendpfeile wieder nach oben. „Damit bleiben zwar vereinzelt Saldenwerte im Minusbereich, zeigen aber einen deutlichen Aufwärtstrend. Kommen keine weiteren einschneidenden Corona-Maßnahmen, könnte die wirtschaftliche Talsohle durchschritten sein“, so Regionalstellenleiter Christian Hollinger.
Umsatz und Auftragslage
76,7 % der befragten Betriebe verzeichneten in den vergangenen zwölf Monaten Umsatzrückgänge, nur 10,9 % wiesen ein Umsatzplus auf. Die Einschätzungen in Bezug auf die künftige Entwicklung haben sich gegenüber der Frühjahres-Umfrage zwar verbessert, eine rasche und nachhaltige Erholung ist aber dennoch nicht zu erwarten: 15,8 % rechnen mit weiteren Umsatzrückgängen, 13,5 % erwarten eine Verbesserung ihrer Umsatzsituation und 61,1 % können zum Umfragezeitpunkt gar keine Einschätzung abgeben.
Die Erwartungen in Bezug auf die Auftragslage sind im Saldo zwar leicht positiv, die Verunsicherung ist aber weiterhin stark ausgeprägt: 13,8 % rechnen mit steigenden Auftragszahlen in den kommenden zwölf Monaten, 12,5 % gehen von weiteren Rückgängen aus und 62,8 % – so viele wie in keiner anderen Region – können gar keine Prognose abgeben.
Preise und Beschäftigung
Preisseitig hatte die Corona-Krise in Liezen bisher kaum einen Effekt, woran sich in den kommenden Monaten nur wenig ändern dürfte. 12,3 % der Befragten gaben an, dass die Preise steigen werden, 9,6 % gehen von sinkenden Preisen aus, die Mehrheit der Unternehmen (69,9 %) rechnet jedoch künftig mit einem gleichbleibenden Preisniveau. Trotz Corona-Krise gibt es in der Region Liezen positive Signale aus dem Investitionsbereich. 53 % planen ihr Investitionsvolumen auszuweiten, vergleichsweise nur 19,8 % gehen von einer Reduktion aus. Als Hauptmotiv gelten in Liezen in 62,6 % der befragten Betriebe Neuinvestitionen.
Auch der steirische Arbeitsmarkt ist durch die Corona-Krise stark unter Druck geraten, in Liezen sind die Auswirkungen aber bisher moderat ausgefallen. Jeder Dritte möchte künftig eher Personal aufstocken, wohingegen 11,3 % von einem Personalabbau ausgehen. 10,3 % können keine Einschätzung zur Personalstandentwicklung abgeben.
 Corona-Hilfsmaßnahmen
Abgefragt wurde im Rahmen des Wirtschaftsbarometers auch die Wirksamkeit der bisherigen Corona-Hilfsmaßnahmen. Die gewerblichen Unternehmen in der Steiermark sehen demnach vornehmlich die Investitionsprämie (60,5 %) und die Corona- Kurzarbeit (52 %) als Schwerpunktmaßnahmen im Zusammenhang mit der Krisenbewältigung. Es folgen mit einigem Abstand Kreditgarantien und Haftungen (20 %), Corona-Hilfsfonds (18,9 %), die Verbesserung der Abschreibungsmethoden (17,7 %) sowie Stundungen von Steuern und Abgaben (17,6 %). In den kommenden sechs Monaten planen die befragten steirischen Betriebe – insbesondere mittelständische und Großunternehmen – vor allem die Investitionsprämie (70,1 %) in Anspruch zu nehmen. An zweiter Stelle rangieren die verbesserten Abschreibungsmethoden (32,2 %), gefolgt von der Corona-Kurzarbeit (27,8 %) und dem Corona-Hilfsfonds (21,5 %). Der Bereich Kreditgarantien und Haftungen ist für 18,8 % von Bedeutung, während Stundungen von Steuern und Abgaben für 15,3 % auch weiterhin als Maßnahme von Relevanz ist. „Die Regierung hat in der Krise entschieden gehandelt. Gemeinsam mit den Sozialpartnern wurden viele Maßnahmen gesetzt, die noch schlimmere wirtschaftliche Auswirkungen verhindert haben. Auf dieser Basis können wir jetzt – wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen – den wirtschaftlichen Restart schaffen“, ist Regionalstellenobmann Egon Hierzegger abschließend überzeugt.