Bezirk Liezen: Kinderbetreuung derzeit abgesichert

Im Bezirk Liezen steht die Kinderbetreuung derzeit noch auf stabilen Beinen. Foto: WIKI

Eine Frühwarnung erging kürzlich an alle Eltern in der Steiermark: Die Kinderbetreuung könne ab Herbst nicht mehr garantiert werden. Für den Bezirk Liezen gibt es derzeit Entwarnung.

Die Steiermark ist Schlusslicht in der Kinderbetreuung, wie die aktuellen Daten von Statistik Austria zeigen. Dies betrifft vor allem die Betreuung der unter Dreijährigen. Insgesamt stehen im Bezirk Liezen 294 Kinderkrippenplätze und 2061 Kindergartenplätze zur Verfügung. Viele der Betreuungseinrichtungen werden von den Gemeinden selbst betrieben, einige durch Trägervereine. Der Fachkräftemangel macht jedoch auch vor dem Bereich Kinderbetreuung nicht Halt, viele offene Stellen können nicht mehr besetzt werden. Die vier Trägerorganisationen – Diözese Graz-Seckau, GIP, Rettet das Kind und WIKI – machten kürzlich in einem Brief, welcher an alle Eltern der Steiermark ging, auf die prekäre Situation aufmerksam. „Wenn wir kein Personal haben, können wir eine Betreuung nicht mehr garantieren, deshalb wollen wir die Eltern früh genug vorwarnen“, erklärt Christian Leitner, Geschäftsführer von WIKI. Im Großraum Graz sei die Situation besonders angespannt. Für den Bezirk Liezen gibt es derzeit noch Entwarnung. WIKI betreut in der Region fünf Kindergärten und sechs Kinderkrippen. Insgesamt stehen 24 Elementarpädagoginnen und 25 Kinderbetreuerinnen zur Verfügung. Derzeit sucht die Trägerorganisation lediglich eine Kinderbetreuerin in Trieben. Die Personalsituation gestalte sich im Bezirk unterschiedlich: Im Liesingtal sei es schwieriger Personal zu finden als im Ennstal. Die Vormittagsbetreuung lasse sich gut abdecken, Schwierigkeiten gäbe es eher in der Nachmittagsbetreuung. WIKI versucht dem mit mehr Vollzeitstellen entgegenzuwirken.

Alle Gruppen offen

Die Diözese Graz-Seckau führt im Bezirk Liezen sieben Kindergärten und eine Kinderkrippe mit insgesamt 15 Gruppen. Die 272 Kinder werden von 39 Mitarbeitern betreut. „Für das Ennstal im Konkreten gehen wir davon aus, dass wir im Herbst alle Gruppen, wie mit den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten vereinbart, öffnen können“, sagt Alexandra Strohmeier-Wieser, pädagogische Leiterin des Referats für Elementarpädagogik der Diözese. Gleichzeitig appelliert sie an die Politik: „Die Politiker fordern wir auf, die Krippe und den Kindergarten endlich aufzuwerten und die nötigen personellen und finanziellen Ressourcen für alle Kinder zur Verfügung zu stellen!“ Für das Personal brauche es eine gute Begleitung. Deswegen setzt die Diözese ab Herbst eine Regionalleitung im Ennstal ein. Sie ist das Bindeglied zwischen Einrichtungen, Pfarren, Gemeinde, Land usw. und sorgt für eine gute Vernetzung und Kommunikation mit den unterschiedlichen Stakeholdern. Den Leitungen in den Kinderbetreuungseinrichtungen stärkt sie den Rücken. Begleitend dazu bietet der Trägerverein Supervision und Coachings an. 

Konsequenzen

Drohe ein akuter Personalnotstand, sind sich die vier Trägervereine sicher, hätte dies folgenschwere Konsequenzen für die gesamte Kinderbildung. „Im schlimmsten Fall müssen wir Öffnungszeiten reduzieren, Ganztagesplätze auf Halbtagesplätze herabsetzen oder einzelne Gruppen sogar schließen“, so Leitner von WIKI. In einem gemeinsamen offenen Brief haben sich die Trägerorganisationen auch an die Vertreter aller Parteien im steirischen Landtag gewandt. Denn hinzu kommt, dass mit September die zweijährige Ausnahmegenehmigung für die Anstellung von Personen mit facheinschlägiger Ausbildung des Landes Steiermark ausläuft und Personal, das seither per Dispens (z. B. Lehrer als Nachmittagsbetreuer) angestellt wurde, nicht mehr länger beschäftigt werden darf.

„Keine Panik“

„In der Elementarpädagogik müssen wir rasch handeln, dennoch verwehre ich mich dagegen, Eltern sowie Pädagogen vorschnell in Panik zu versetzen. Die Gespräche über die notwendigen Maßnahmen laufen. Wir werden niemanden zurücklassen und die Ergebnisse rechtzeitig vor dem Herbst präsentieren“, sagt ÖVP-Landesrat Werner Amon. Kritik kommt von den Freiheitlichen: Die von den Trägerorganisationen verlangte Verlängerung der Übergangslösung könne nur als Notlösung angesichts eines größeren strukturellen Problems gesehen werden. „Die Politik muss die vorhandenen Missstände an der Wurzel packen, und das sind nun einmal primär schlechte Entlohnung und nicht zufriedenstellende Rahmenbedingungen. Ein rasches Treffen aller Fraktionen mit den Trägerorganisationen und den maßgeblichen Experten der Bildungslandschaft ist ein Gebot der Stunde. Dort müssen dann rasch Lösungen erarbeitet werden“, so FPÖ-Bildungssprecher LAbg. Stefan Hermann.