Berufsschule Aigen wird „Wohnen am See“

So soll das Projekt aussehen: Das Bestandsgebäude wird generalsaniert, zusätzlich entstehen fünf Neubauten. Foto: Hohensinn Architektur/Nonstandard

Am Standort der ehemaligen Berufsschule in Aigen im Ennstal entsteht neuer Wohnraum sowie eine Heimat für eine soziale Einrichtung. Die Hälfte der geplanten Wohnungen werden einer touristischen Nutzung, sprich Zweitwohnsitzen, zugeführt, die andere Hälfte sind Starterwohnungen und Hauptwohnsitze.

Die WiGa Investment und Beteiligungs GmbH hat 2019 die ehemalige Bildungseinrichtung von der Landesimmobiliengesellschaft erworben. Gemeinsam mit dem Architekturbüro Hohensinn aus Graz wurde das Großprojekt „Wohnen am See“ geplant und kürzlich dem Gemeinderat vorgestellt. „Der Tenor ist grundsätzlich ein positiver“, freut sich Bürgermeister Walter Kanduth über eine Nachnutzung der Schule. In einer ersten Phase von 2021 bis 2023 sollen 35 Starterwohnungen, 22 Wohnungen für Hauptwohnsitze sowie 24 Zweitwohnsitze entstehen. Im Altbestand im oberen Teil des Gebäudes werden die Starterwohnungen mit unbefristeten Mietverträgen zu einem Preis von vier Euro netto pro Quadratmeter angeboten. Voraussetzung ist die Anmeldung eines Erstwohnsitzes. Des Weiteren soll in den früheren Klassenräumen und der 400 Quadratmeter großen Küche, welche erst zwei Jahre vor Schließung der Schule erneuert wurde, eine Sozialeinrichtung ihre Heimat finden. Die Gespräche laufen bereits. Neben einer Tageswerkstätte könnte auch die Küche als Werkstätte genutzt werden. Das gesamte bestehende Gebäude wird energetisch generalsaniert. Im östlichen Teil, Richtung Ortszentrum, entstehen zwei Neubauten: Ein Wohnkomplex besteht aus 22 Wohnungen, ausschließlich für Hauptwohnsitze in einem Preissegment gemeinnütziger Siedlungsgenossenschaften, das zweite Gebäude umfasst 24 Zweitwohnsitze.

 

Apartments und Zweitwohnsitze

In Phase 2 von 2023 bis 2026 ist die Errichtung von drei Neubauten mit insgesamt 55 Wohneinheiten geplant. Hierzu wird der westliche Teil der alten Schule abgerissen. In einem Gebäude sind 18 servicierte Apartments mit Fitnesscenter, Sauna und Frühstücksraum angedacht, dahinter zwei Häuser mit insgesamt 33 Zweitwohnsitzen. Sollte jedoch bis 2023 kein Betreiber für die Apartments gefunden werden, werden diese ebenfalls als Hauptwohnsitze ausgewiesen. Was die Preise für die Zweitwohnsitze betrifft, hielten sich die Verantwortlichen bedeckt.  Weiters entstehen drei Tiefgaragen, wovon sich eine bereits im Bestand befindet. Die Baukosten für das Gesamtprojekt betragen zwischen 18,5 und 20 Millionen Euro.

 

Bedenklich

An drei Seiten grenzen die Grundstücke der Familie Dornbusch an die ehemalige Berufsschule. Als Nachbar begrüßt Alexander Dornbusch zwar, dass etwas am Standort geschieht, sieht aber die dichte Bebauung der Fläche kritisch. Auch als Gemeinderat der Bürgerliste GefA sind die Zweitwohnsitze für ihn bedenklich: „Die ehemalige Berufsschule ist derzeit ein Schandfleck. Als Gemeindevertreter sehe ich mich bestrebt, die Wohnraumbeschaffung zu unterstützen, jedoch nicht um jeden Preis. Gerade in Zeiten, in denen über die Zweitwohnsitzthematik heftig debattiert wird, bin ich verwundert über diese geplanten Zweitwohnsitze in unserer Gemeinde“, so Dornbusch.