Bangen um die Chirurgische

Bis zur Eröffnung des Leitspitals in Stainach soll eine ambulante Erstversogung und die Fünf-Tages-Klinik in Bad Aussee bleiben. Foto: Pachernegg

Das Angebot der Chirurgischen Abteilung des LKH Bad Aussee soll sich auf eine Fünf-Tages-Chirurgie und eine ambulante Erstversorgung reduzieren. Hauptgrund sei der Ärztemangel. Das möchte das Forum Pro-LKH nicht hinnehmen und kündigt Widerstand an.

Es handelte sich am 1. April um keinen Aprilscherz, als die Belegschaft der chirur­gi­schen Abteilung am LKH Bad Aussee schriftlich darüber verständigt wurde, dass ihre Abteilung aus verschiedensten Gründen künftig als „Fünf-Tages-Chirurgie“ geführt werden würde. Das heißt: Keine orthopädischen Operationen mehr, keine Versorgung bei akuten Kochenbrüchen, Blinddarm-Problemen oder Unfällen, wenn nicht gesichert ist, dass der Patient am Freitag das Spital wieder verlassen kann.

Aber drehen wir das Rad der Zeit um ein paar Jahre zurück: Das LKH Bad Aussee wurde im Jahr 2013 (politisch) umgesetzt. Mit den Stimmen der ÖVP und der einen Stimme der Grünen im Landtag fiel die Entscheidung. Bei der Eröffnung zeigte sich der damalige Vorstandsvorsitzende Karlheinz Tscheliessnigg nicht gerade hoch erfreut über das Haus, meinte jedoch, dass man es nun „bespielen“ müsse. Der spätere Gesundheits­landesrat Christopher Drexler versprach der Ausseer Bevölkerung, die chirurgische Abteilung am LKH Bad Aussee bis zur Eröffnung des neuen Leitspitals in Stainach-Pürgg voll­inhalt­lich aufrecht zu erhalten. Dass diese Versprechen nun beide gebrochen wurden, schmerzt im Ausseerland ungemein. Allfällige Initiativen von Chirurgen des Hauses in Hinblick auf Endoprothetik oder ähnliche Spezifikationen wurden im Keim erstickt. Knie- und Hüft-Operationen wurden beispielsweise kontingentiert, obgleich eine Nachfrage darüber hinaus bestanden hätte. Opera­tionen, die über die erlaubte Zahl hinausgingen, mussten im LKH Rotten­mann durch­geführt werden. „In den letzten Jahren wurden diese Kontingente jedoch am Standort nicht ausgereizt“, hält der KAGes-Vorstandsvorsitzende Gerhard Stark in einem Interview in der „Alpenpost“ entgegen. „Ungeachtet dessen, ist es aber nicht die Zahl an endoprothetischen Operationen, die eine Strukturanpassung dringend notwendig machen, sondern einzig und allein der ärztliche Know-how-Trägermangel, der eine Vollbesetzung der Abteilung, wie sie aus der Dauerauflage der Betriebsbewilligung heraus notwendig wäre, verunmöglicht.“ Der Mangel an Medizinern ist jedoch keine Aussee-spezifische Erscheinung. Zur Zeit fehlen allein in der KAGes über 150 Ärzte.

Ambulanz und Fünf-Tages-Klinik

Wie am Mittwoch der Vorstand bekannt gab, soll in Bad Aussee eine sogenannte zentrale ambulante Erstversorgungseinheit (ZAE) errichtet werden. Damit sei eine Akutversorgung an sieben Tagen der Woche sichergestellt, die Klinik wird nur mehr an fünf Tagen der Woche geöffnet sein. Aufwendigere Operationen, insbesondere am Wochenende, sollen in Rottenmann durchgeführt werden. Nur so könne man die qualitativ bestmögliche Versorgung in Bad Aussee sicherstellen. Als Entscheidungsgrundlage beruft sich die KAGes auf den 2020 veröffentlichten Rechnungshofbericht. Für die Aufrechterhaltung fehle schlichtweg das Personal. Andererseits müsste man auch auf die stark rückläufige Bettenbelegung sowie die geringe OP-Auslastung reagieren. Juliane Bogner-Strauß steht hinter den Entscheidungen der KAGes. Für die Qualitätsgarantie brauche es „dynamische Lösungsansätze, die mit den realen Gegebenheiten einhergehen“, so die Gesundheitslandesrätin. „Die chirurgische Versorgung bleibt mit der Implementierung der zentralen Erstversorgungseinheit in Kombination mit der Fünf-Tages-Chirurgie aufrecht bis zur Errichtung des Leitspitals in Stainach, wo erstmals durch eine zentrale Bündelung eine Weiterentwicklung des chirurgischen Angebots in der Region möglich gemacht wird.“ Es müsse eine chirurgische Leistungserbringung trotz angespannter ärztlicher Personalsituation weiter möglich sein, sagt der KAGes-Vorstandsvorsitzende Gerhard Stark.

Hinters Licht geführt

Als Speerspitze des Widerstandes gegen die Reduktion der Chirurgie hat sich das „Forum Pro LKH Bad Aussee“ erneut formiert. Schon am Tag nach der schriftlichen Information an die Mitarbeiter des LKH Bad Aussee tagte das Forum. „Wir haben uns innerhalb weniger Stunden erneut formiert und werden nun mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für den Vollerhalt unserer Chirurgie kämpfen. Wir fühlen uns von Christopher Drexler, der uns den Vollerhalt der Chirurgie bis zur Eröffnung des Zentralkrankenhauses in Stainach-Pürgg versprochen hat, hinters Licht geführt und gedemütigt“, sagt Forums-Sprecher Herbert Angerer. Für Mittwoch, den 6. April organisierte das Forum eine Protestkundgebung im Kurpark unmittelbar vor der Mitarbeiterbesprechung der KAGes im Kur- und Congresshaus. Dem Aufruf folgten Hunderte Menschen, und KAGes-Aufsichtsratsvorsitzender Günter Dörflinger sowie Vorstandsvorsitzender Gerhard Stark stellten sich der Menge. Sie versuchten den Teilnehmern das neue Konzept näherzubringen, was allerdings zu keiner Besänftigung führte. Zu groß ist die Befürchtung, die Chirurgie in Bad Aussee auf Raten zu verlieren.