Aufregung um Liezens Teststraße

Stundenlange Wartezeiten im Freien nahmen zu Testende auf sich, um am Ende gar nicht getestet zu werden.

Wartezeiten bis zu zwei Stunden und zu geringe Sicherheitsabstände. Die Teststraße in Liezen ist in Kritik geraten. Der Betreiber plant, die Testkapazität zu erhöhen.

Bis zu zwei Stunden Wartezeit mussten zu Testende in Stoßzeiten hinnehmen, wie etwa am vergangenen Samstag. Und das größtenteils im Freien bei spätherbstlichen Temperaturen. Getestet wurden trotzdem nicht alle. Obwohl noch zahlreiche Menschen in der Warteschlange ausharrten, wurde Liezens Teststraße am vergangenen Samstag um 18 Uhr geschlossen. „Es waren aufgebrachte Leute dort, die zwar schon lange anstehen mussten, doch trotzdem nicht mehr zum Testen an die Reihe kamen. Deshalb war die Polizei vor Ort, um Gespräche zu führen und um zu beruhigen. Es kam aber zu keinerlei Ausschreitungen“, sagt Chefinspektor Raimund Sulzbacher.

Zuvor hatte das Land Steiermark kommuniziert, alle steirischen Teststraßen seien an diesem Tag bis 19 Uhr geöffnet. Weshalb die Teststraße in Liezen trotzdem um 18 geschlossen wurde, erklärt Johann Hartner von der Privatklinik Kastanienhof GmbH: „Wir haben so lange getestet, wie uns möglich war“, sagt der Projektkoordinator der Covid-Test- und Impfstraßen in der Steiermark. Trotz der vom Land angekündigten längeren Öffnungszeit sei es auch zu individuellen Entscheidungen gekommen, da „wir von unserem eigenen Personal und dem Personal von Partnerfirmen abhängig sind. Alle mit Termin konnten ihre Testungen jedoch durchführen“, so Hartner. Wer auf eine Terminvereinbarung setzt, kann sich lange Wartezeiten wohl bald schon ersparen. „Wir werden Schritte setzen, damit sich mehr Menschen zum Testen anmelden. Die Anmeldungen sollten schon ab nächster Woche starten können. Auch für PCR-Tests“, sagt Hartner. Künftig soll es somit eine Warteschlange für jene geben, die nicht vorangemeldet sind, und einen Schnellzutritt für zu Testende mit Termin.

Kritik am Standort

Die langen Wartezeiten und fehlenden Sicherheitsabstände waren auch Thema in der Stadtgemeinde Liezen: „Wir haben die Kastanienhof GmbH als Betreiber der Teststraße darüber informiert, dass die Kapazitäten am aktuellen Standort nicht ausreichen. Aus unserer Sicht ist die Möglichkeit, zusätzliche Testspuren zu etablieren, an diesem Standort nicht gegeben. Auch die Dichte der Menschen sehen wir aus epidemiologischer Sicht bedenklich“, heißt es aus dem Rathaus. Kritik kommt auch von Polizei-Chefinspektor Raimund Sulzbacher: „Es wäre zweckmäßig, dass die Teststraße an eine Örtlichkeit verlegt werden würde, wo die Menschen bessere Parkmöglichkeiten haben und sich nicht im Freien anstellen müssen“, so Sulzbacher, der von untragbaren Zuständen am Standort am Rathausplatz spricht. „Ich empfehle dringend einen anderen Standort“, betont der Chefinspektor.

Verlegung nicht geplant

Bevor die Teststraße vor einigen Monaten an den Standort im Primärversorgungszentrum am Rathausplatz verlegt wurde, war sie in Liezens Ennstalhalle untergebracht. Ein Standort, der jedoch nicht mehr zur Verfügung stehe, wie Liezens Stadtgemeinde informiert: „Als Schulerhalter müssen wir die Ennstalhalle den Schulen für die Turnstunden zur Verfügung stellen“, kommuniziert die Stadtgemeinde. Darüber hinaus habe man eine Verpflichtung gegenüber den eingemieteten Vereinen. Eine Ausweitung der Kapazitäten werde es trotzdem geben, wie Teststraßen-Koordinator Johann Hartner informiert. Diese sei bereits genehmigt und sollte dieser Tage schlagend werden. Die Verlegung der Teststraße Liezen an einen anderen Standort sei jedoch nicht geplant: „Wir glauben, dass das an diesem Standort auch stattfinden kann“, sagt Hartner.

FPÖ spricht von Teststraßen-Chaos

Mit der Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz müssen Herr und Frau Österreicher nun entweder geimpft, genesen oder getestet am Arbeitsplatz erscheinen. Die steirische FPÖ kritisiert das mangelnde Angebot für zu Testende und zwar landesweit: „Mitunter stundenlang mussten sich Steirer anstellen, um unter anderem ihrem Beruf nachgehen zu dürfen. Wer keinen der benötigten Tests ergatterte, hatte Pech“, so FPÖ-Gesundheitssprecher LAbg. Marco Triller. Mit Montag, 8. November, trat die zweite Novelle der 3. Covid-19-Maßnahmenverordnung in Kraft. Damit sind auch die Antigen-Wohnzimmertests ausgelaufen. Als Nachfolger ist ein PCR-Test zum Gurgeln kostenfrei in den Apotheken erhältlich. Wird die Probe bis 10 Uhr an einer der Sammelstellen abgegeben, soll das Ergebnis schon innerhalb von zirka 12 Stunden, ansonsten innerhalb von zirka 24 Stunden abrufbar sein. Theoretisch ist ein PCR-Test für 72 Stunden gültig. Zieht man allerdings die Auswertungszeit ab, ist der negative Befund laut Angaben im schlechtesten Fall noch für 48 Stunden die Eintrittskarte zum Arbeitsplatz. Zeitgleich mit Inkrafttreten der Verordnung kam es zu massiven Verzögerungen bei der Auswertung der Tests. So mussten zu Testende deutlich längere Wartezeiten hinnehmen, zum Teil erreichte sie das Ergebnis erst nach Ablauf der 72-Stunden-Frist. Der Grund dafür waren laut zuständigem Labor ein Corona-Cluster im eigenen Haus und IT-Probleme.