Amokläufer

Schlechte Nachrichten für die Wirtschaft und die Bevölkerung Österreichs gibt es derzeit leider zuhauf. Dass sie aber vom Bundeskanzler persönlich verursacht werden, ist selbst in einem Land, in dem die Marktwirtschaft ein Schattendasein führt, bemerkenswert. Wenn der Kanzler in einem Zeitungsinterview tatsächlich davon träumt, börsennotierende Energiekonzerne zu enteignen und das gestohlene Geld unter der Bevölkerung zu verteilen, bleibt der Beobachter fassungslos zurück.

Abgesehen von Ländern wie Kuba oder Venezuela, die sich mit solcher Politik ihre Energieversorgung nachhaltig zerstört haben, käme wohl kaum ein denkender Mensch auf solche Ideen. Immerhin ist der Verbund seit seiner Teilprivatisierung nicht nur ein höchst erfolgreiches Unternehmen sondern auch einer der grünsten Energieerzeuger Europas. Und dies, obwohl der Staat mehrheitlich beteiligt ist, was üblicherweise ein Garant für Misswirtschaft ist.

Dieses Unternehmen (und mit ihm auch die EVN und die OMV) durch ein flapsiges Interview an der Börse um fast fünf Milliarden Euro nach unten zu prügeln, ist eine einzigartige Fehlleistung und wird das gesamte Vertrauen in den Wirtschaftsstandort nachhaltig beschädigen.

Das gefährdet nicht nur unsere Energieversorgung sondern die gesamte private Wirtschaft. Wer investiert schon gerne in einer Bananenrepublik, wo ahnungslose Politiker in Gutsherrnart über Nacht neue Regeln erfinden? Aber solche Gedanken machen sich unsere Politiker eben nicht, es geht um den guten Umfragewert am nächsten Tag. Verantwortung ist leider ein Fremdwort und Amoklauf die Regel.