1450 oder zum Arzt?

Auch bei Corona-Symptomen empfehlen Ärzte die Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt. Foto Adobe Stock. Foto: Adobe Stock

Praktische Ärzte befürchten medizinische Unterversorgung.

Der Aufruf, bei Fieber zuhause zu bleiben und sich lediglich an die Gesundheitshotline 1450 zu wenden ist bei vielen Menschen sehr präsent. Auch auf weitere Corona-Symptome ist man sensibilisiert und Husten oder Kurzatmigkeit lassen die Alarmglocken schrillen. Mediziner appellieren zur telefonischen Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt.

Seitdem die Corona-Pandemie Mitte März in Österreich ausgerufen und das ganze Land über Nacht in den Lockdown geschickt wurde, war auch eine große Unsicherheit innerhalb der Bevölkerung spürbar. Die Ungewissheit vor dem „unsichtbaren“ und unbekannten Virus mit nicht abschätzbaren gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen, hat vielen Menschen zu schaffen gemacht. Auch so manche gebetsmühlenartig vorgetragene Mantras haben diesbezüglich nicht zur Kalmierung beigetragen. Wir erinnern uns auch an Sätze wie: „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist.“ Die Maßnahmen zur Bekämpfung und Eindämmung der Pandemie wie Mund-Nasen-Schutz verwenden, Hände waschen, Verzicht aufs Händeschütteln und Babyelefanten-Abstand halten sind mittlerweile gewohnte Gepflogenheiten.

Es gibt auch noch andere Krankheiten.

Sollten Symptome wie Fieber, Husten oder Kurzatmigkeit auftreten lautet nach wie vor die oberste Prämisse: zuhause bleiben und 1450 anrufen. Doch mit dieser Empfehlung sind so manche praktische Ärzte nicht einverstanden. „Außer SARS-CoV-2 gibt es auch noch andere Krankheiten, die ähnliche Symptome hervorrufen und die dürfen nicht links liegen gelassen werden. Infektionskrankheiten sind unser täglich Brot und wir wissen damit umzugehen. Es reicht oft ein Blick um eine Krankheit zu diagnostizieren und in weiterer Folge zu behandeln“, sagt Allgemeinmediziner Sassan Lachini. Ein Hausarzt komme klarerweise immer schneller zu einer Diagnose und kann deswegen schneller reagieren. Außerdem kenne man die eigenen Patienten sowie deren Krankheitsgeschichte. All das seien Faktoren die eine rein telefonische Gesundheitsberatung nicht berücksichtigen könne. „Die Standardantwort der Gesundheitshotline bei Auftreten von Symptomen lautet: Bleiben Sie zuhause. Doch was ist wenn es sich um eine akute Nierenbeckenentzündung oder Angina handelt? Da können ein paar Tage Wartezeit daheim zur Qual werden. Außerdem gestaltet sich die Genesung umso langwieriger, je weiter eine Krankheit fortgeschritten ist“, betont die Öblarner Ärztin Beate Gruber.

Minimiertes Risiko im Wartezimmer.

Das Coronavirus sei keine harmlose Grippeerkrankung und auch die Ansteckungsrate sei um ein Vielfaches höher. Deswegen sei die Einhaltung der bekannten Covid-19-Spielregeln wichtig. Doch mittlerweile habe man gelernt damit umzugehen und es müsse niemand Angst haben eine Ordination aufzusuchen. In enger Abstimmung untereinander haben die Allgemeinmediziner in der Kleinregion Gröbming und Schladming Konzepte entwickelt, um die medizinische Grundversorgung bestmöglich sicherzustellen. „Gerade im Herbst, wo die Husten- und Schnupfenzeit beginnt, steht die Sicherheit im Wartezimmer an oberster Stelle. Durch die Umstellung auf Terminpraxen können im Vorfeld Patientengruppen eingeteilt werden. Grundsätzlich unterscheiden wir in infektiöse, nicht-infektiöse und Risikopatienten. Durch diese Aufteilung kann ein Ansteckungsrisiko weitgehend minimiert werden“, sagt Tanja Scarpatetti, praktische Ärztin aus Gröbming. „Wir waren von Anfang an für unsere Patienten da. Auch als wir niemanden ins Wartezimmer lassen durften und die Unsicherheit groß war, haben wir uns untereinander abgestimmt um eine durchgängige Versorgung sicherzustellen.“

Behördliche Coronatests über 1450.

Auch bei einem Coronaverdachtsfall empfehlen die Mediziner aus unserer Region die Kontaktaufnahme zum Hausarzt. „Wir können gezielt abfragen und kennen die Vorgeschichte unserer Patienten. So kommen wir leichter und schneller zu einer ärztlichen Entscheidung. Wichtig ist jedoch die telefonische Kontaktaufnahme, denn solche Verdachtsfälle werden in der Regel am Ende der Ordinationszeit terminisiert um Kontakte zu anderen Patienten zu verhindern“, betont Sassan Lachini. Außerdem können Corona-Schnelltests in den Praxen durchgeführt werden um Gewissheit zu bekommen. Fällt das Ergebnis positiv aus, hat der weitere Verlauf ohnehin über die Gesundheitshotline zu laufen und die weitere Vorgehensweise kann mit dem behandelnden Arzt vereinbart werden.