Dienstag, 11. Dezember 2018

Neue Skulpturen am Pilgerweg in Rottenmann

Der Pilgerweg in Rottenmann ist nun um zwei Skulpturen reicher - eine davon stammt vom heimischen Künstler Gerhard Sölkner und zeigt ein engelsartiges Wesen, das schützend seine Flügel ausbreitet.

14 von Künstlern gestaltete Skulpturen zierten bislang den "Pilgerweg der Weltreligionen", der an der Rottenmanner Hütte vorbei bis zum Globuckensee auf 1800 Metern Seehöhe führt. Vergangene Woche kamen zwei weitere religiöse Figuren hinzu.
Mit dem Projekt "Kunst am Berg" hatte eine kleine Gruppe der Alpenvereinssektion Rottenmann bereits im Jahr 2004 religiöser Toleranz Geltung verschafft. Den ganzen Sommer über arbeiteten Bildhauer aus der Region, aber auch Künstler aus aller Welt, wie aus Frankreich, Polen, Armenien, der Slowakei, dem Irak und Israel auf der Rottenmanner Hütte. Sie alle wollten einen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis religiöser Vorstellungen leisten. Dabei entstanden 14 Skulpturen, die überwiegend aus heimischem Holz gefertigt wurden. Viele freiwillige Helfer beförderten die bis zu 1200 Kilogramm schweren Figuren zu ihren Aufstellungsplätzen, die in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde sorgfältig ausgewählt wurden, um das Landschaftsbild nicht zu beeinträchtigen. Im Mittelpunkt des Pilgerwegs, der von der Talstation der Materialseilbahn vorbei an der Rottenmanner Hütte und hinauf bis zum Globuckensee führt, stehen die fünf großen Weltreligionen. Aber auch kleinere Glaubensgemeinschaften und Naturreligionen finden hier ihren Platz.  Am vergangenen Samstag wurden zwei weitere Figuren feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Dem bunten, multikulturellen Fest wohnten rund 200 Menschen bei - darunter 60 Personen der Glaubensgemeinschaft der Sikhs.
Neue Skulpturen
Die beiden heimischen Künstler Gerhard Sölkner und Maria Deisl gestalteten die beiden neuen Skulpturen für die Erweiterung des Pilgerwegs der Weltreligionen. Sölkner beschäftigte sich mit der Religion der Zaroastiker und schuf aus Lärchenstämmen ein engelsartiges Wesen, das schützend seine Flügel ausbreitet. Die älteste monotheistische Religion der Welt wurde rund 1800 vor Christus gegründet. Der Glaube an einen einzigen Schöpfergott war zu dieser Zeit revolutionär und die Kunde verbreitete sich im ganzen Orient. Der Zaroastrismus hatte einen großen Einfluss auf zahlreiche andere Religionen dieser Welt. Auch im Christentum ist der Zaroastrismus, der über die jüdischen Lehren Einfluss nahm, zu erkennen. Die Begriffspaare Himmel und Hölle, Gott und Teufel, Gut und Böse sowie die christliche Engelssymbolik scheinen hier ihren Ursprung zu haben.  Die Skulptur von Maria Deisl beschäftigt sich mit der Religion der Sikhs. Die Künstlerin stellt mit drei drehbaren Tafeln das heilige Buch von Amritsar dar. Ihrer Bestimmung übergeben wurde die Figur durch ein spezielles Ritual. Mit Gesängen, Musik und Speisen weihten eigens angereiste Menschen der Sikh-Religion das Symbol ihres Glaubens. Als Eckpfeiler des Sikh-Seins gelten ein sozial ausgerichtetes Familienleben, der ehrliche Verdienst des Lebensunterhaltes sowie lebenslange spirituelle Entwicklung. Die unsterbliche Seele und die Wiedergeburt stehen im Zentrum der Glaubensrichtung. Als Patin des Pilgerwegs der Weltreligionen fungiert Ingrid Flick, die im Anschluss an die Feierlichkeiten zu einem Essen auf der Rottenmanner Hütte lud. "Das bunte Bild auf der Terrasse und die vielen zufriedenen Gäste waren der Lohn für die aufwändige Vorbereitungsarbeit", sagte Karl Schnuderl, Obmann des Alpenvereins Rottenmann, und ergänzte: "Vielfalt erscheint doch viel besser als Einfalt."

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