Mit-reißender Jesus

Das uralte Mosaik, aufgenommen in einer griechisch-orthodoxen Klosterkirche in Griechenland: Jesus greift fest nach dem Handgelenk des Mannes und zieht ihn heraus aus dem Grab.

Vor einiger Zeit bin ich auf ein Foto gestoßen, das ein Pater aus St. Paul im Lavanttal auf Facebook gepostet hat.
Das Foto stammt von einer Griechenlandreise und zeigt ein uraltes Mosaik in einer griechisch-orthodoxen Klosterkirche. Es ist dies eine wunderschöne, jahrhundertealte Darstellung der Auferstehung Jesu. Ganz dynamisch erblickt man den Auferstandenen, lebendig und in Bewegung. Ja, das Mosaik ist so gut gemacht, dass man ihn fast laufen sieht.
Spannend ist, dass Jesus den Kopf dreht und nach etwas greift.
Man sieht im unteren Bildrand einen betagten Mann und eine jüngere Frau, die beide aus Gräbern herausschauen.
Jesus dreht sich um und greift nach hinten, aber er umfasst nicht die Hand des Mannes! Dieser sich dynamisch bewegende Jesus greift fest nach dem Handgelenk des Mannes und zieht ihn heraus aus dem Grab. Der Auferstandene reißt den Mann förmlich mit sich!
Eine unglaublich tolle und gelungene Darstellung in dieser griechischen Klosterkirche.

Genau das ist für mich Auferstehung und genau das ist für uns Christen Ostern:
Jesus starb einen qualvollen Tod, der aber Sinn hatte. Einen Tod, den er hätte verhindern können.
Judas hat Jesus verraten und Jesus wusste davon. Aber er hat Judas nicht zurückgehalten, er hat es nicht verhindern wollen, auch wenn er Angst hatte am Ölberg und Panik am Kreuzweg.
Nicht weil Jesus so eine Todessehnsucht hatte, wie viele Menschen heute, die sich das Leben bewusst nehmen.  Nein: Jesus wusste, dass durch seinen Tod etwas geschehen würde. Gott ließ seinen Sohn nicht in der Finsternis des Todes, im Dunkel des Grabes. Gott holte seinen Sohn wieder zu sich zurück.
Das Grab wird gesprengt, der Tod wird entmachtet und Jesus befreit aus den Ketten des Todes. Er kann auferstehen und heimkehren zu seinem Vater.

Damit er aber dennoch dauerhaft bei uns bleibt, hat er am Gründonnerstagabend - im letzten Abendmahl - ein einzigartiges Geschenk gestiftet:
In den Zeichen von Brot und Wein, in jeder Hl. Messe, ist Jesus ganz bei uns:
"Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Tut dies zu meinem Gedächtnis".
Jesus, der Auferstandene, ganz und immer bei uns in den Gaben Brot und Wein.
Das ist Ostern! Der Tod wird besiegt durch das Leben.

Jesus ist aber kein Egoist. Und das zeigt dieses beeindruckende Mosaik in Griechenland so deutlich.
Er hätte seinen Tod verhindern können, aber er wollte es nicht.
Weil Jesus wusste, dass er mit seinem Tod etwas bewirken kann.
Nicht nur er darf auferstehen, darf heimkehren zu Gott, auch wir!

Durch seine Auferstehung hat Jesus uns allen dieses Geschenk gemacht, dass auch wir auferstehen dürfen nach unserem Tod. Ewiges Leben bei Gott ist uns Christen verheißen.

Jesus dreht sich um und packt das Handgelenk des Mannes, er zieht in heraus, er reißt ihn förmlich mit sich.

Das ist Auferstehung und das ist es, was wir an Ostern feiern: Wir feiern das Leben und die Zusage Gottes an uns, dass er uns niemals alleine lässt. Im Leben nicht und nach unserem irdischen Leben auch nicht.

Gesegnete Ostern!

P. Prior Maximilian Schiefermüller OSB
Benediktinerstift Admont

ePaper Anmeldung

ePaper lesen

Um "Der Ennstaler" als ePaper online zu lesen, melden Sie sich einfach mit Ihren Zugangsdaten an: