Informationsmangel sorgt in Rottenmann für Unmut

Wie wird sich die Schließung des Landeskrankenhauses auf Rottenmann auswirken und was soll mit dem Gebäude geschehen? Diese und noch weitere Fragen beschäftigen die örtliche Bevölkerung.

95,96 Prozent von Rottenmanns Bevölkerung sprachen sich gegen ein Leitspital in Stainach aus. Die mangelnde Information über die Nachnutzung des derzeitigen Krankenhauses ist wohl einer der Gründe, der zu diesem klaren Votum der Ablehnung beigetragen hat.  
Flaniert man durch Rottenmanns Innenstadt, ereilt einen das gleiche Bild, das man mittlerweile von vielen anderen ländlichen Kleinstädten kennt. Geschlossene Geschäftslokale und leere Schaufenster nehmen einen wesentlichen Teil des einst florierenden Zentrums ein. Diese Entwicklung hat auch vor Rottenmann nicht Halt gemacht. Zwar gibt es engagierte Gegenbewegungen, wie etwa die Reaktivierung des "Alten Hofer", in dem seither regelmäßig Konzerte und Veranstaltungen stattfinden. Doch nun ist in Rottenmann die Sorge groß, dass bald der nächste Leerstand droht. Die Schließung des örtlichen Krankenhauses ist hier in aller Munde.
"Ein Gast zeigt mir jeden Tag die aktuellen Zeitungsberichte über das Krankenhaus und regt sich dabei so sehr auf, dass ich hoffe, er bekommt keinen Herzinfarkt", sagte die Inhaberin eines kleinen Kaffeehauses, das seinen Standort entlang der Hauptstraße hat. Auf die Frage nach dem Warum, antwortet sie, es würde keiner wissen, wie es weiter geht. Die Informationen seien dürftig. "Was passiert denn mit unserem Krankenhaus, wenn die ein Leitspital in Stainach bauen wollen?", schaltete sich eine Frau in das Gespräch ein, "sie reden von einem Facharztzentrum als Nachnutzung. Dass ich nicht lache! Wo wollen sie denn die Ärzte dafür herbekommen?" Das Vertrauen in die Gesundheitsreform ist in Rottenmann also nicht groß. Die Sorge um die Nachnutzung des derzeitigen Spitals und die mangelnde Verkehrsanbindung zum geplanten dafür umso größer.
"Die Leute verstehen nicht, warum man mitten in den Sumpf ein neues Spital bauen will, das noch dazu über keine Autobahn erreichbar ist, wenn man hier ein gut erreichbares Spital hat", gab die Kaffeehaus-Besitzerin die Sorge der örtlichen Bevölkerung wieder. Hier kommen die Erfahrungen, die man mit der B 320 gemacht hat, wohl zum Tragen. Immer wieder Staus, gerade während der Ferienzeiten, und dann noch die Auswirkungen jener Winter mit Extremwetterlagen. So wie der nicht enden wollende Schneefall im heurigen Jänner, der zahlreiche Straßensperren und ein Vorwärtskommen im Standgas-Modus zur Folge hatte. "Also, wenn sie das Leitspital in Stainach bauen, fahr ich dort sicher nicht hin, sondern gleich auf die Autobahn auf und nach Leoben. Das geht schneller", so ein Gast.
Und auch die Kosten sind ein Thema. "Die Spitäler in Schladming und Bad Aussee sind so gut wie neu. Das in Rottenmann wurde renoviert und jetzt will man wieder Millionen in die Hand nehmen, um alle drei zu schließen und ein neues zu bauen. Wer zahlt das alles, wenn nicht wir als Steuerzahler?", sagte ein anderer Gast. Die Volksabstimmung hat die Lage noch zunehmend verschärft. Man fühlt sich ungehört und nicht ernst genommen. Der zuständige Landerat will an der geplanten Gesundheitsreform weiterhin festhalten, doch welche Nachnutzung für das Spital in Rottenmann geplant ist und wie man die Arbeitsplätze und die Gesundheitsversorgung vor Ort erhalten will, wurde nach wie vor nicht präsentiert.

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