Amoklauf

Bildquelle: kontrast.at

Nach dem Auftauchen des Ibiza-Videos scheinen in Österreich jetzt alle innenpolitischen Dämme zu brechen. Was mit dem logischen und begrüßenswerten Rücktritt von Strache und Gudenus begann, hat sich inzwischen zu einem Flächenbrand ausgeweitet, über dessen Folgen sich scheinbar niemand Gedanken macht. Es gibt nur mehr ein Ziel, nämlich den Gegner maximal zu beschädigen. Übrig bleibt höchstwahrscheinlich ein unregierbares Land, dessen Bevölkerung die Zeche zahlen wird.
Natürlich wäre auch eine Fortsetzung der Koalition ein gewisses Risiko gewesen, aber bevor man etwas wegwirft, sollte man sich doch über die Alternativen Gedanken machen. Denn handlungsfähiger als die große Koalition es war, wäre die Regierung Kurz allemal geblieben. Noch dazu gilt es zu bedenken, dass bis zuletzt weit über sechzig Prozent der Bevölkerung mit der Arbeit der Regierung zufrieden waren, das Budget erstmals in Ordnung gebracht wurde und zumindest zaghaft Reformen in die richtige Richtung begannen.
Jetzt kommt im Parlament das freie Spiel der Kräfte, was erfahrungsgemäß dazu führen wird, dass einige Milliarden sinnlos aus dem Fenster geworfen werden. Dann der schmutzigste Wahlkampf der Zweiten Republik, der zu so viel Feindschaft führt, dass eine Regierungsbildung fast unmöglich wird. Ohne Not werden wir uns im Dauerkrisenmodus wiederfinden, nur weil jetzt alle schreien und keiner denkt. Aber so ist das eben bei einem Amoklauf.

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