Dienstag, 12. Dezember 2017

Wo bleiben unsere Werte?

Bildquelle: diepresse.com

Nach jahrelangem Streit und unterschiedlichsten Beiträgen und Untersuchungen hat das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat noch einmal für fünf Jahre eine EU-weite Zulassung bekommen. Und nachdem sich weder die Experten noch die Politiker einig sind, ist es kaum möglich zu beurteilen, ob die Chemikalie wirklich schädlich oder krebserregend ist. Was aber jedenfalls einen etwas schalen Beigeschmack hinterlässt, ist der Weg der Entscheidungsfindung in der EU. Denn wenn beinahe die Hälfte der Mitgliedsstaaten für ein Verbot ist, scheint die EU-weite Freigabe sehr gewagt. Im Grund ist der Konflikt ein typisches Beispiel für die Dinge, mit denen sich die EU vorrangig beschäftigt. Meist geht es um zwei sich widersprechende Dinge, die die Union glaubt regeln zu müssen. In diesem Fall ist es Gesundheit versus Kosten der Lebensmittel. Wir kennen das auch von Umweltschutz gegen Industrieinteressen (Feinstaubproblematik), Gesundheit gegen persönliche Entscheidungsfreiheit (Rauch- oder Alkoholverbote) oder dem ewig jungen Beispiel des Verbots herkömmlicher Glühbirnen. Bei all diesen Materien macht sich die EU mit ihrer übertriebenen Ordnungswut viele Feinde, und zwar zurecht. Es gibt überhaupt keinen Grund, warum solche Themen EU-weit einheitlich geregelt werden sollen. Oft wären einzelstaatliche Lösungen sehr viel sinnvoller: Wenn in Österreich die Biolandwirtschaft gefragt ist, wird Glyphosat eben verboten, während in Deutschland billige Lebensmittel im Vordergrund stehen und ein Verbot nicht kommt. Außerdem wäre der Politik ohnehin zu raten, endlich dem Regelungswahnsinn zu entsagen, denn der Bürger und Konsument kann sehr gut für sich selbst entscheiden. Darauf beruht übrigens die westliche Welt, auch wenn man immer weniger davon bemerkt.

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