Dienstag, 27. Juni 2017

Drei Gemeinden wehren sich gegen Autoflut

Neben den Ortschefs ergriffen auch einige Bürger das Wort und forderten unter anderem, den Druck auf das Land weiter zu erhöhen.

Die Bürgermeister von Irdning-Donnersbachtal, Aigen und Lassing hatten am vergangenen Samstag ihre Mitbürger zur solidarischen Sperre der Landesstraße L 741 aufgerufen. Dafür war die Irdninger Ortsdurchfahrt ab dem späten Vormittag für mehrere Stunden gesperrt. Mit dieser Aktion wurden die steirischen Verkehrsverantwortlichen nachdrücklich aufgefordert, mit konkreten Schritten der schwer zu ertragenden Situation ein Ende zu setzen.
Nun, zwei regionale Abgeordnete hatten sich doch zum Showdown am Platz vor der ehemaligen Raiffeisenbank im Zentrum von Irdning eingefunden. Der FPÖ-Vertreter Albert Royer und der ÖVP-Mann Karl Lackner bildeten das einsame Duo aus der Landespolitik. Damen und Herren aus dem Regierungsteam hatten sich erst gar nicht die Mühe gemacht, sich ins Mittlere Ennstal zu bewegen - irgendwie verständlich, sind doch derzeit keine Wahlen in Sicht. Und was sollten sie den Menschen auch sagen, außer krampfhaft Schuldige für nicht eingelöste Versprechen auf bereits baureife Entlastungsschritte zu suchen. Dass kein einziger Vertreter der SPÖ rund um den zuständigen Verkehrslandesrat Anton Lang zugegen war, hat möglicherweise auch damit zu tun, dass sich der Frust der Bevölkerung auch zu einem gewissen Teil gegen deren Parteikollegen Rudi Hakel richtet. Der Liezener SPÖ-Bürgermeister hat bekanntlich die Situation durch die vierte Ampel in der Bezirkshauptstadt zusätzlich verschärft.  Leider hielt sich aber auch das Publikumsinteresse an der Demonstration in Grenzen. Da könnte bereits Resignation einen gewissen Einfluss haben. Und ob es klug war, eine Partei - hier die ÖVP - als Initiator zu nennen, bleibt ebenso dahingestellt. Es ist aber, wie es Vizebgm. Dr. Anton Hausleitner zum Ausdruck brachte, eine Forderung weit über Parteigrenzen hinweg.  Die drei Bürgermeister, vorneweg Herbert Gugganig für Irdning-Donnersbachtal und Raimund Hager für Aigen als die beiden Vertreter der meistbetroffenen Ortszentren, unterstützt vom Lassinger Amtskollegen Fritz Stangl, ließen pointiert ihre Argumente zur bestehenden Durchfahrtsmisere hören. Um die mehrmals geplante Lösung für Trautenfels - an der Kreuzung kommen bekanntlich die Ennstal-, die Salzkammergut- und die Glattjoch-Bundesstraße zusammen, windet sich seit Jahren ein veritabler Knoten. Da wurden Wohnhäuser abgerissen, Menschen abgesiedelt und Millionen für Planungen vergeudet. Herausgekommen ist bis heute freilich nichts. Und auch an der letzten Variante - Überführung samt darunter liegendem Kreisverkehr - haben der Verein NETT und etwas über 20 Privatpersonen aus dem Kreuzungsbereich und dem naheliegenden Ortsteil Unterburg etwas einzuwenden und bekämpfen diese mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln.  Was jedoch in allen Argumenten, Aussagen und Befunden der auf einem Traktoranhänger sitzenden Orts­chefs mit großer Eindringlichkeit wiederkehrte, ist das Verorten der wahren Ursache des Problems, das die drei Gemeinden haben: Die reale Ursache liegt eindeutig in der Stadtdurchfahrt Liezen mit ihren vier Ampeln. Hier muss mit massivem Druck auf das Land und im Besonderen auf die Stadt Liezen auf möglichst rasche Planung und Bau einer Umfahrung gedrängt werden. Und einen solchen Druck können neben Irdning, Aigen und Lassing nur die Gemeinden des Oberen Ennstales mit den Top-Tourismusdestinationen Schladming, Ramsau am Dachstein und Haus im Ennstal - von der Marktgemeinde war übrigens Bürgermeister Gerhard Schütter anwesend - entwickeln.  Eine lebendige Diskussion, in der unter anderem weitere derartige Aktionen gefordert wurden, beendete die durchgängig friedlich verlaufene Demonstration.

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