Alles gut?

Wie schon bei einigen Wahlen in der jüngeren Vergangenheit, konnte das populistische Schreckgespenst vom rechten Rand auch in Frankreich aufgehalten werden. Und wieder feiert ganz Europa, dass sich die Vernunft durchgesetzt hat und alles in Ordnung ist. Genau diese Sicht der Dinge ist allerdings der grundlegende Fehler, denn die Unzufriedenheit vieler Wähler hat ganz konkrete Gründe. Und solange die Politik hier keine Antworten geben kann, wird jede Wahl wieder aufs Neue eine Schicksalswahl sein, aus der dann eben irgendwann auch die andere Seite als Sieger hervorgehen wird. Dabei ist es keineswegs so, dass die rechtspopulistischen Parteien Europas wirklich Lösungen aufzeigen, aber sie schaffen es besser, den Bürgern Verständnis entgegenzubringen als die arrivierten Volksparteien. Diese schielen immer noch auf ihre alte Stammklientel, während die Mitarbeiter und Unternehmer vor allem aus Gewerbe und Handel nur die Zeche bezahlen und gleichzeitig am stärksten von den Folgen der Globalisierung betroffen sind. Diese Betrachtung trifft übrigens ganz besonders auf Frankreich zu, wo in Macons Wirtschaftsprogramm ja einige grundrichtige Ansätze enthalten sind, etwa eine Pensionsreform, eine Arbeitsmarktreform und der Abbau von 500.000 Beamtenposten. Ob der Jubel über den Präsidenten dann auch noch so groß ist, darf bezweifelt werden, aber er hat immerhin eines erkannt: Die Mitte der Gesellschaft, die wirklich Wertschöpfung erzielt, kann nicht auf Dauer die Privilegierten und die Sozialhilfeempfänger bezahlen, während sie selber dabei vor die Hunde geht.

ePaper Anmeldung

ePaper lesen

Um "Der Ennstaler" als ePaper online zu lesen, melden Sie sich einfach mit Ihren Zugangsdaten an: