Überraschungen bei Gemeinderatswahl

25. März 2010:
Die Gemeinderatswahl am vergangenen Sonntag sorgte im Bezirk Liezen zwar für kein politisches Erdbeben, aber doch für einige saftige Überraschungen.

Eindeutiger Verlierer der Wahl im Bezirk Liezen ist – wie auch steiermarkweit – die SPÖ, die Verluste von 6,11 Prozent in Kauf nehmen musste. Die ÖVP konnte um 2,30 Prozent zulegen, einen marginalen Zuwachs gab es auch für die Grünen – dieser ist mit 0,02 Prozent aber im Promillebereich angesiedelt – und für die FPÖ mit 0,29 Prozent. Ein achtbares Plus erzielten die sonstigen Listen, meist Bürgerlisten mit 3,37 Prozent, oder in Mandaten von 39 auf 55 Sitze. Nachstehend die wesentlichsten Veränderungen in alphabetischer Reihenfolge.

Wandel im Ausseerland
Günther Posch in Admont konnte seinen VP-Vorsprung von 9 Sitzen auf 10 zur Zwei-Drittel-Mehrheit ausbauen. Die SP erreichte 5 Sitze. Altaussee sorgte für die Sensation des Bezirkes, da praktisch kein Stein auf dem anderen blieb: Von den vormals 9 Mandaten der Bürgermeisterpartei SP wanderten nämlich 3 zur VP – neue Situation: 9 VP, 3 SP. Die ÖVP stellt damit den Bürgermeister. Für Unruhe innerhalb der Sozialdemokraten sorgte auch das Ergebnis in Bad Aussee: Minus 4 Mandate für die Marl-Partei auf nunmehr 12, plus 2 für die ÖVP auf nun 10 und 2 für die FPÖ, 1 für die Grünen. Ob sich Langzeit-Bürgermeis¬ter Otto Marl damit im Amt halten kann, ist zumindest fraglich. In Bad Mitterndorf konnte Karl Kaniak seinen Mandatsstand mit 8 halten, die SPÖ verlor von 4 auf 3, die ÖVP legte von 3 auf 5 zu und – erstaunlich: Die als Verursacher harter Bandagen gebrandmarkte Trieb-FP verlor nur 1 Mandat von 6 auf 5. Mitterndorf denkt anders.

Ringen um Bürgermeister
In Gams bei Hieflau konnte der amtierende FP-Bürgermeister Erich Reiter seinen Mandatsstand von 2 auf 4 verdoppeln und die SPÖ von 4 auf 3 stutzen, ebenso die ÖVP von 3 auf 2. Der Bürgermeister-Sitz dürfte ihm sicher sein.
In Großsölk entstand durch den Tod von Michael Steiner ein Vakuum in der FPÖ – sie fiel aus dem Gemeinderat. Die 2 Mandate, die sie besetzte, gingen an die ÖVP mit Albert Holzinger, die SPÖ blieb mit 2 Mandaten gleich. In Grundlsee konnte SPÖ-Mann Herbert Brandstätter von 7 auf 9 Mandate zulegen, nahm diese 2 Sitze der ÖVP ab und hat nun die absolute Mehrheit. Gröbming ist nach wie vor ein für Bürgermeister schwieriges Pflaster. Die Ferstl-ÖVP büßte 1 Mandat von 7 auf 6 ein, die Guggi-SPÖ blieb bei 4 und die FPÖ konnte von 4 auf 5 zulegen. Gibt‘s dort wieder eine Halbzeit-Lösung? Eine schwierige Situation gibt es auch in Haus für ÖVP-Bürgermeister Hans Resch. Die neu formierte Unabhängige Liste errang 4 Sitze, die SP musste von 5 bisherigen 1 Mandat abgeben und die Resch-VP verlor die absolute Mehrheit von bisher 9 Mandaten auf nunmehr 7. Eine schwere Geburt steht bevor.
Kein KP-Mandat in Lassing
In Irdning war als zusätzliche Liste die Gruppierung „WIR – Wie Irdning redet“ angetreten. Mit dabei der bisherige SP-Gemeindekassier. Diese Plattform konnte 2 Mandate erringen. Aus dem Gemeinderat gefallen sind die Grünen, die ihren Sitz verloren. Minus 1 Mandat auch für die SPÖ (von 3 auf 2) und für die FPÖ von 2 auf 1. Bürgermeister Franz Titschenbacher konnte seinen Mandatsstand von 9 auf 10 nach oben verbessern. In Johnsbach kandidierte die SP diesmal nicht. Bürgermeister Ludwig Wolf konnte seinen Mandatsstand von 5 auf 7 erhöhen, 2 Mandate errangen wie bisher die Unabhängigen. Einen herben Verlust von 2 Sitzen musste die ÖVP in Kleinsölk von 7 auf 5 hinnehmen. Hier gewann die SP von 1 auf 2 und ebenso die FPÖ von 1 auf 2. In Landl verlor die SP von 12 auf 10 Mandate, diese 2 wanderten zur wieder kandidierenden FP. Lassing war der Ort mit dem einzigen KPÖ-Kandidaten im Bezirk. Friedrich Stangl konnte für seine VP einen satten Zugewinn von 8 auf 10 Sitze verbuchen. Die SP reduzierte sich von 5 auf 2 Mandate, die FPÖ holte von 2 auf 3 Sitze auf. Der KPÖ-Kandidat ging leer aus. Die Liezener SPÖ wird den Verlust von 1 Mandat von 17 auf 16 wohl verschmerzen. Dort büßte die VP 1 von 5 Mandaten ein. Die FPÖ gewann 1 Mandat von 1 auf 2 und LIEB konnte sich von 2 auf 3 Sitze steigern.
Debakel für Mitterberger VP
Die Sensation für die krisengeschüttelte SPÖ schaffte Friedrich Zefferer in Mitterberg. Er holte 4 Mandate von 7 auf 11 für die Sozialdemokraten. Dieser stattliche Zugewinn ging zur Gänze zu Lasten der VP, die von 7 auf 3 Sitze absackte. Die neben der Wildalpener Bürgermeisterin Karin Gulas im Bezirk als zweite Frau an der Spitze einer Gemeinde stehende Barbara Wolfgang-Krenn halbierte in Pürgg-Trautenfels dafür die SPÖ von 6 auf 3 Sitze und ließ die ÖVP von 9 auf 12 Mandate klettern. In Ramsau konnte Schrempf-Nachfolger Rainer Angerer den Mandatsstand seines Vorgängers mit 9 Sitzen halten. Dort ereignete sich jedoch in der Namensliste Ernst Fischbacher ein Kuriosum. Für diese Liste existierte nur ein Kandidat – ohne Ersatzpersonen. Also landläufig gesagt: „2 Sitze für die Fisch‘“, denn sie verfallen mangels genannter Kandidaten. Der Ramsauer Mandatsstand ist demnach 9 VP, 1 SP, 2 FP, theoretisch 3 für die Liste Fischbacher, aber nur eines besetzt vom Einreicher. In Rohrmoos-Untertal büßte die Neutrale Bürgerliste 2 Sitze von 9 auf 7 ein und muss nun über den Bürgermeister verhandeln. Rottenmann avancierte ebenfalls zu einer SPÖ-Verlustgemeinde. LAbg. Ewald Persch, Nachfolger von Langzeit-Bürgermeister Ludwig Kopf, musste 4 von 16 Sitzen abgeben. Die ÖVP konnte nicht punkten und verlor 1 Mandat von 6 auf 5 Sitze. Sieger im Hintergrund ist der ehemalige FPÖ-Mann Helmut Schaupensteiner, der mit einer Unabhängigen Liste aus dem Stand 6 Mandate erreichte.

Zwei deutliche ÖVP-Siege
Der VP gelang in St. Gallen der Turnaround. Die SPÖ von Bürgermeis¬ter Grießl verlor 2 von 8 Mandaten, diese gingen an die VP, die sich von 7 auf 9 Sitze verbessern konnte und in den nächsten fünf Jahren den Bürgermeister stellt. Der große Sieger in Schladming heißt Jürgen Winter. Seine VP legte von 11 auf 14 Mandate zu. 2 Sitze von der SP, 1 Sitz von der Bürgerliste, die von 3 auf 2 Sitze zurückfiel und 1 Sitz von den Grünen, die gar nicht mehr antraten. In Tauplitz verstärkte sich die VP von 7 auf 8 Mandate auf Kosten der SP, die von 5 auf 4 Mandate zurückfiel. Der Wahlkampf in Weißenbach bei Liezen, der von der SP mit persönlicher Härte geführt wurde, nutzte letztlich der Bürgermeister-ÖVP, die von 10 auf 11 Mandate zulegte und der Listefranz, die aus dem Stand 2 Mandate errang. Die SP fiel von 5 auf 2 Sitze zurück. Öblarn als heiß umkämpfte Gemeinde stärkte die VP von 4 auf 7 Mandate. Anton Knerzl gab von seinen bisher 5 Sitzen 1 Sitz auf nun 4 ab. Die bisher mit 2 Sitzen vertretene FP kandidierte nicht, sodass zwar SP und Knerzl zusammen 8 Mandate aufweisen, aber die VP als Einzelpartei doch über die Mandatsmehrheit verfügt. Der Bürgermeistersitz wird daher Verhandlungen erfordern.
Resümee
Die Wählerinnen und Wähler haben am Sonntag doch für einige Überraschungen gesorgt. So sind die Karten in Bad Aussee neu gemischt: Wenn es nicht noch zu großen Überraschungen kommt, wird Bgm. Otto Marl künftig mit heftigem Gegenwind der Opposition zu rechnen haben. Am Beispiel von Rottenmann wurde demonstriert, dass vermeintlich klare Vorsprünge noch lange kein sicheres Ruhekissen sind und die Zeit für eine Veränderung jederzeit reif sein kann. Auch Ewald Persch wir nun ein etwas rauherer Wind entgegenwehen. In Weißenbach bei Liezen trug wahrscheinlich auch die Vorgehensweise der SPÖ in den letzten Wochen zu den herben Verlusten bei. Mit einigen Untergriffen gegen die regierende ÖVP wollte SPÖ-Spitzenkandidatin Eva Posch einen Machtwechsel herbeiführen – diese Strategie ging sprichwörtlich „in die Hose“. Der Wähler äußerte also des öfteren seinen größten Wunsch, der auf keinem Stimmzettel angekreuzt werden konnte: Kein Polit-Hick-Hack, sondern Ärme hochkrempeln und anpacken!
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