Turbulenzen um Bahnverbindungen

28. Oktober 2011:
 Was ab 12. Dezember auf den Zugfahrplan bei den Verbindungen zwischen Graz und Salzburg stehen wird, bleibt vorerst noch ein Rätsel. Die höchst unterschiedlichen Aussagen von Sprechern der Österreichischen Bundesbahnen und den Verkehrspolitikern von Bund und Land tragen zur Verwirrung wesentlich bei.
Wie immer bei Fragen bezüglich Verkehrslösungen, ob bei Ennstal-Straße oder wie jetzt beim Schienennetz, spielen die Aufteilungsschlüssel der veranschlagten Kosten eine Hauptrolle. Und hier spießt es sich bei den Verhandlungen, denn zu unterschiedlich werden die angeblich erforderlichen Euro-Millionen für die Aufrechterhaltung des bisher gewohnten und auch notwendigen Personenverkehrs auf den Geleisen interpretiert.
Auf das Angebot von ÖBB und Verkehrsministerium, etwas mehr Regionalzüge auf die Strecke zu schicken, sofern die Steiermark etwa 700.000 Euro dafür bereitstellen, reagierte FPÖ-Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann ablehnend: „Für schlechtere Verbindungen soviel Geld herzugeben, entbehrt jeder Grundlage!“ Lisa Rücker, Grüne-Verkehrsreferentin in Graz, sprach ebenfalls von einer „Schieflage“ und meinte, Bundesbahnen und Verkehrsministerium würden die Strecke Graz – Salzburg „kaputtmachen“.
Das wiederum wollten die ÖBB-Vertreter nicht auf sich sitzen lassen. Sollte die Verbindung zwischen Mur- und Mozartstadt, für das Liesing-, Palten- und Ennstal von enormer Wichtigkeit, künftig vom Konkurrenzunternehmen Westbahn übernommen werden, wofür angeblich Förderungen von 10 Millionen Euro jährlich im Gespräch seien, wäre das Geldverschwendung. „Um diese Summe würden auch die ÖBB diese Strecke regelmäßig im Zweistundentakt befahren“, hieß es am vergangenen Dienstag.
Die Leitung des Vereins Fahrgast Steiermark wiederum zeigte sich „erfreut“, dass durch den aktuellen Schlagabtausch zwischen ÖBB, Westbahn, Land Steiermark und Verkehrsministerium „wieder Bewegung in die Diskussion um die Zugverbindungen kommt“. Das von der SPÖ geführte Verkehrsministerium müsse sich endlich seiner Verantwortung bewusst werden und ein Gesamtkonzept erarbeiten, wie der interalpine Fernverkehr langfristig gesichert werden könne.
Im Bezirk Liezen wachsen inzwischen die Befürchtungen, dass es mit den Zuständen auf der Bahnlinie bald so sein könnte, wie mit jenen entlang der B 320: Verhandlungen über Verhandlungen, endlose Streitereien – und am Ende bleiben die fahrwillige Bevölkerung und damit auch die heimische Wirtschaft samt Tourismus buchstäblich „auf der Strecke“.
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