Sorgsamer Umgang mit Steuergeld?

27. Mai 2011:
 Ein kleiner Waldbrand im Ausseerland vor rund zwei Wochen trat eine breite Diskussion in der Bevölkerung los, warum der Hubschrauber des Bundesministeriums für Inneres aus Graz angefordert werden musste, wo doch die Alouette-Hubschrauber des Bundesheer-Fliegerhorstes Fiala-Fernbrugg in Aigen im Ennstal in kürzester Zeit vor Ort gewesen wären.
Bei Waldbränden geht eine Alarmierung des Hubschraubers üblicherweise folgendermaßen vor sich: Der Kommandant der Feuerwehr unterrichtet die Polizei und „Floriani“ Liezen über den Brand – über die Landeswarnzentrale (LWZ) wird dann ein Hubschrauber angefordert. „Die rechtlichen Grundlagen sehen vor, dass in derartigen Fällen in der gesamten Steiermark immer zuerst der Hubschrauber des Innenministeriums ausgeschickt wird, selbst wenn er – wie im gegenständlichen Fall – eine lange Anflugszeit hat und die Alouette aus Aigen aufgrund der Motorisierung und der Gebirgstauglichkeit für diese Einsätze prädestinierter wären“, erklärt der zuständige Experte, Brandrat Ing. Dieter Pilat von der Landeswarnzen­trale. „Nur wenn der Helikopter des Innenministeriums schon in anderweitigen Einsätzen unterwegs ist, oder der Waldbrand so groß ist, dass mehrere Maschinen fliegen müssen, wird das Bundesheer in Assistenz alarmiert“, so Pilat weiter.
Alouettes aus Aigen müssen
bei Waldbränden bis auf weiteres
am Boden bleiben
Die gesetzliche Grundlage sieht also vor, dass – obwohl die Alouette-Maschinen aus Aigen innerhalb kürzester Zeit bei jedem Waldbrand im Bezirk vor Ort sein könnten – zuerst eine Maschine aus Graz angefordert werden muss. In Aigen selbst wäre man auf derartige Fälle jederzeit vorbereitet. Durch den Eurofighter-Betrieb muss nämlich ständig eine Alouette in Bereitschaft sein. Zudem werden die Militär-Piloten aus Aigen permanenten Schulungen mit dem Löschwasserbehälter im Gebirge unterzogen.
Dazu kommt, dass bei einer weiteren Einsatzmeldung (zum Beispiel einem Banküberfall, bei dem der Täter mit einem Hubschrauber verfolgt werden muss) für den Helikopter des Innenministeriums sofort andere Prioritäten gelten – in einem solchen Fall würde der Waldbrand zu einem Nebenschauplatz degradiert werden. Die Militärmaschinen aus Aigen könnten dagegen grundsätzlich vor Ort bleiben, bis das erlösende „Brand aus“ kommt. Notfalls könnten auch gleich mehrere Maschinen der Staffel angefordert werden, um großflächige Brände unter Kontrolle zu bringen, und bei längeren Einsätzen könnte die Betankung der Maschinen innerhalb kürzester Zeit gewährleistet werden.
Gemeinsame Schulungen
Laut Ing. Dieter Pilat funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen sehr gut. „Bei den diversen Übungen taucht keinerlei Konkurrenzdenken auf – die Piloten des Innenministeriums sowie des Bundesheeres arbeiten dabei eng zusammen“, so Pilat, der auch betont, dass die Infrastruktur sowie der Alarmplan bei Waldbränden in der Steiermark überdurchschnittlich ist: „Auf einer Fachtagung in Brüssel konnte ich kürzlich einen internationalen Vergleich ziehen. Während in der Steiermark die Interventionszeit bei einem Waldbrand bei nur 20 Minuten liegt, liegt diese zum Beispiel in Griechenland bei 90 bis 180 Minuten“, so Pilat abschließend.
Der gegenständliche Fall beweist, dass Einsparungsmaßnahmen oftmals über das Ziel hinausschießen. Nicht nur, dass die Piloten aus Aigen die Region wie ihre Westentasche kennen – sie wären aufgrund der räumlichen Nähe auch noch schnell vor Ort. Es wird Zeit, dass bei den zuständigen Behörden etwas praktischer gedacht wird, vor allem wenn es um den sorgsamen Umgang von Steuergeldern geht.
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