Schneemassen fordern Räumdienste

03. Februar 2012:
 Was im November in rekordverdächtigen Null Millimetern Niederschlag gipfelte, holte Frau Holle nun im Jänner nach: Das Springen am Kulm wurde fast von einem Schneesturm verweht und seit damals gab es nur einige Tage, an denen die arbeitswütige alte Dame ihre Kissen nicht ausschüttelte. 
Mit allen seinen Unbillen zeigte sich der bisherige Winter im Ausseer­land. Bei Sturm, Regen und nachfolgenden, intensiven Schneefällen war es oftmals ratsam, im Haus zu bleiben. Von einem gemütlichen Nachmittag am Sofa konnten die Mitarbeiter der Bauhöfe im Ausseerland aber nur träumen: Wochenlang waren sie im Dauereinsatz, von zwei Uhr früh bis spät in die Nachtstunden erstreckten sich ihre Arbeits­zeiten und dann wurden sie oftmals noch von verärgerten Straßenbe­nützern oder Haus­besitzern be­schimpft. Nicht nur, dass die Räum­kommandos nicht überall gleichzeitig sein konnten, so war es den Pflügen aufgrund der Schnee­menge oft nicht mehr möglich, den Schnee beiseite zu schieben. 
Bei derartigen Ausmaßen der „weißen Pracht“ wird natürlich der Fuhrpark der Kommunen ziemlich beansprucht, doch bis auf kleinere Ausfälle von Maschinen ist bisher wenig passiert. Ein kleines Beispiel zum enormen Arbeitseinsatz: Der Radlader der Stadtgemeinde Bad Aussee musste kürzlich an einem Tag dreimal aufgetankt werden, um einsatzbereit zu bleiben, und die Männer von den Bauhöfen in Bad Mitterndorf und Tauplitz waren aufgrund des Skifliegens am Kulm doppelt gefordert – das Springen überhaupt zu ermöglichen und die Infrastruktur im Ort aufrecht zu erhalten.
Auch bei der Straßenmeisterei war man ziemlich gefordert. „Alle unsere Bediensteten waren von 2. bis 27. Jänner von 4 Uhr Früh bis 22 Uhr Abend bei den schneereichen Tagen im Dauereinsatz. Der gesamte Fuhrpark war unterwegs“, erklärt Straßenmeister Patrick Schachner dazu. An einigen Tagen mussten sogar weitere Fahrzeuge (ein Unimog und ein Lkw, jeweils mit Pflügen ausgestattet) aus südlicheren Regionen der Steiermark angefordert werden. „Leider zeigten sich einige Autofahrer sehr kritisch gegenüber unserer Arbeit“, weiß Schachner zu berichten. „Teils war ihnen zu wenig geräumt oder gestreut oder sie waren erbost, weil Schnee auf ihrem Grund abgelagert wurde oder sie waren wegen halb auf der Fahrbahn parkender Autos aufgebracht“, so Schachner. 
Aktuelle Aufzeichnungen der Mess-Stationen auf den umliegenden Bergen zeigen beeindruckende Wer­te. So liegen aktuell am Loser (Kehre 15) rund 4,20 Meter Schnee, am Ahornkogel (Grundlsee) 2,30 Meter und auf der Tauplitz (Groß­see)  4,30 Meter. Dazu kommt, dass Windge­schwindigkeiten von bis zu 150 km/h (in der Nacht von 22. auf 23. Jänner) den Schnee verfrachtet  und so im Lee ziemlich ange­häuft haben. 
Die Verfrachtung birgt natürlich die Gefahr von Lawinen in sich. In allen Gemeinden haben sich die Lawinen­warnkommissionen getroffen, um die Situation zu bewerten. Laut Mag. Herbert Brandstätter ist in Grundlsee die Lage derzeit zwar zu beobachten, durch die Lawinenver­bauung auf der Schoberwiese je­doch noch keine Gefahr in Verzug. 
Bei einem Erkundungsflug mit einer Alouette III aus Aigen/E. wurden alle prekären Stellen genauestens fotografiert und bewertet. Derzeit scheint eine Lawinengefahr gebannt. Das Appelhaus ist laut Aussage von Egon Hierzegger, der diesen Flug begleitete, vor Schnee fast nicht mehr zu sehen. Beim „6-er-Fleck“, oberhalb der Bergstation Loserfenster und am Sandling wurden Lawinensprengungen vom Hubschrauber aus vorgenommen. Zusätzlich dazu wurden mit einem privaten Helikopterunternehmen Männer zum Lawinensystem Gas-Ex am Loser geflogen, da dieses vollkommen eingeschneit war. 
In Bad Mitterndorf, Tauplitz und Pichl-Kainisch sind derzeit keine Gefahren von Lawinen zu erwarten. Nur der Grimming war bisher dreimal „schuld“ an einer Sperre der Lawinengalerie in Klachau. Durch Schneebretter wurde der automatische Alarm ausgelöst und schaltete auf Blockabfertigung. 
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