Sauerei?

02. September 2011:
 Gesundheitsminister Stöger ist durch eine Studie des Vereins für Konsumenteninformation zu der wenig überraschenden Erkenntnis gelangt, dass sich eine private Krankenversicherung positiv auf die Wartezeit für einen Operationstermin auswirkt, wobei die Auswahl der Operation (grauer Star) schon verrät, welches Ergebnis der VKI erhalten wollte. Denn bei einer Operation, wo weder Schmerz noch Gesundheitsgefährdung durch eine Verschiebung auftritt, ist das Ergebnis anders als bei einer akuten Bedrohung oder Schmerzbelastung. Durch diese Auswahl hat man endlich den Beweis für die Zweiklassenmedizin und kann sich publikumswirksam über eine „Sauerei“ beschweren.
Sachkenntnis und Systemverständnis sind dafür nicht erforderlich. Ein Blick hinter die Kulissen könnte aber gerade bei einem so heiklen Thema nicht schaden. Wer in Österreich eine private Krankenversicherung abschließt, muss nämlich, anders als etwa in Deutschland, trotzdem auch die staatliche Krankenversicherung bezahlen. Das führt in Österreich dazu, dass die etwa 15 Prozent Privatversicherten bei gleichen öffentlichen Beiträgen weniger Aufwand verursachen und außerdem durch die Zahlungen der Versicherungsunternehmen zusätzliche Mittel in die Spitäler kommen.
Wenn man jetzt der Sichtweise von etwas kurzsichtigen Gerechtigkeitsfanatikern teilt und den Privatversicherten keine Vorteile mehr gewährt, hat das ganz klare Folgen: Sämtliche privaten Krankenversicherungen werden gekündigt, dadurch erhöhen sich die Ausgaben fürs Gesundheitssystem und damit die Beiträge um etwa 15 Prozent.
Zudem werden Spitzenmediziner, die ja überwiegend von den Zusatzeinnahmen durch die Privatversicherten leben, die Spitäler verlassen und nur noch privat tätig sein. Dann haben wir endlich keine „Sauerei“ mehr, alle haben die gleich schlechte und gleich teure medizinische Versorgung.
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