Kurzsichtig
03. Juni 2011:Es lag nach den letzten Wahlniederlagen der Regierungsparteien in Deutschland schon in der Luft, aber man dachte doch, dass die Vernunft noch ein Wörtchen mitredet. Dem ist aber nicht so, der Atomausstieg kommt in Deutschland definitiv im Jahr 2022. Bis dahin wird es keine auch nur annähernd ausreichende Ökostromerzeugung geben und auch die Netze werden wohl noch nicht soweit sein. Aber wie so oft hat der Populismus über die Vernunft gesiegt, weswegen dem europäischen Strommarkt interessante Zeiten bevorstehen.
Die wahrscheinlichste Variante ist, dass ein Großteil der fehlenden Energie in Gaskraftwerken erzeugt werden wird, die erst gebaut werden müssen. Dadurch können wir uns einerseits auf deutlich steigende Preise gefasst machen und andererseits unsere Klimaschutzziele begraben, was den Ökofraktionen aber scheinbar reichlich egal ist. Sie verhindern ja auch jedes Wasser- oder Windkraftwerk und jede neue Stromleitung, was normalerweise dazu führen müsste, dass sie niemand mehr ernst nimmt, aber ganzheitliches Denken scheint nicht mehr modern zu sein.
Zudem werden einige Staaten wie Frankreich oder Tschechien ihre Atomkraftkapazitäten ausbauen, weswegen weder der Anteil an Atomkraft noch die daraus resultierende Gefährdung wesentlich zurückgehen wird. Dabei wäre eine vernünftige Lösung eigentlich einfach: Massiver Ausbau aller verfügbaren Alternativenergien und der Leitungsnetze (und zwar ohne die Wahnsinnsverfahren und Auflagen) und parallel dazu ein kontrollierter Ausstieg aus der Kernenergie, wenn sie vernünftig ersetzbar ist. Aber wir warten lieber, bis die Lichter ausgehen, wichtig ist der nächste Wahlsieg.
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