Knalleffekt in Stainach: Bürgermeister tritt zurück
03. Februar 2012:Die monatelangen politischen Querelen in Stainach dürften kommende Woche mit einem Machtwechsel ein – vorläufiges – Ende finden: Dem Vernehmen nach hat Bürgermeister Christian Danner für Donnerstag, dem 9. Februar, zu einer Gemeinderatssitzung geladen, auf der nur zwei Tagesordnungspunkte stehen: Rücktritt und Neuwahl des Bürgermeisters.
Es war im April des vergangenen Jahres, als die SPÖ-Ortspartei von Stainach einen Feldzug gegen den aus den eigenen Reihen stammenden Bürgermeister Christian Danner startete, der in den folgenden Monaten eine Dimension erreichte, wie sie im Bezirk Liezen vorher noch in keiner Gemeinde zu sehen war. Wie bereits mehrfach berichtet, fuhren die Mandatare rund um Vizebürgermeister Alexander Hinterleitner dabei schwere Geschütze auf: Sie bezichtigten ihren mittlerweile ehemaligen Parteikollegen unter anderem des Amtsmissbrauchs und listeten die angeblichen Verfehlungen des Gemeindeoberhauptes in zwei Schreiben – eines ging mit zehn Punkten an die steirische Gemeindeaufsicht, ein weiteres mit zwei Punkten an die Fachabteilung 13B (Bau- und Raumordnung) – auf. Die Anschuldigungen erwiesen sich jedoch als haltlos, wie von der Gemeindeaufsicht Ende Oktober 2011 schriftlich bestätigt wurde.
Was von dieser beispiellosen Aktion blieb, waren tiefe, ja unüberbrückbare Gräben, die zwischen den ehemaligen Parteifreunden aufgerissen wurden und die der Gemeinde Stainach am Ende nichts anders als einen noch großen Imageverlust einbrachten. Dazu laufen gegen die SPÖ-Mandatare nach wie vor Erhebungen der Kriminalpolizei – unter anderem wegen Rufschädigung. In straf- und zivilrechtlicher Hinsicht dürften also noch Monate vergehen, bis die leidige Angelegenheit zu einem wie auch immer gearteten Ende kommt.
Zu Ende gehen dürfte hingegen die Ära von Christian Danner als Bürgermeister von Stainach. Wie der „Ennstaler“ aus gut informierten Kreisen erfuhr, setzte das Gemeindeoberhaupt für kommenden Donnerstag, dem 9. Februar, eine Gemeinderatssitzung an, auf der sich nur zwei Tagesordnungspunkte befinden: Zum einen der Rücktritt von Christian Danner und zum anderen die anschließende Neuwahl des Bürgermeisters. Sieht man sich die derzeitige Konstellation im Ortsparlament etwas genauer an, dann könnte bei dieser Gemeinderatssitzung auch die jahrzehntelange Vorherrschaft der SPÖ in Stainach zu Ende gehen. Derzeit hält die SPÖ nämlich bei sieben, die ÖVP bei sechs und die FPÖ bei einem Gemeinderat. Dazu kommt Christian Danner als unabhängiger Mandatar.
Die Möglichkeiten einen Bürgermeisterkandidaten nach dem Rücktritt von Danner aufzustellen, haben unter diesen Voraussetzungen nur die SPÖ und die ÖVP. Unter dem Aspekt der Vorkommnisse in den letzten Monaten, ist es jedoch durchaus im Bereich des Möglichen, dass sich die ÖVP, die FPÖ und Christian Danner bei der Abstimmung zusammenschließen und den bisherigen Gemeindekassier Hannes Strimitzer (ÖVP) zum neuen Bürgermeister wählen – vorausgesetzt Strimitzer wird von seiner Partei auch als Kandidat namhaft gemacht. Ob die SPÖ mit ihrem bisherigen Vizebürgermeister und Amtsleiter Alexander Hinterleitner ins Rennen geht, stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest.
Möglich wäre natürlich auch, dass sich ein Mandatar von Seiten der ÖVP, der FPÖ oder eben der scheidende Bürgermeister der Stimme enthält, wodurch es beim ersten Wahlgang zu einer Pattstellung mit der SPÖ kommen könnte. In diesem Fall käme es zu einem zweiten Wahlgang – endet auch dieser mit Stimmengleichheit, entscheidet am Ende das Los. Man darf also schon heute darauf gespannt sein, was nächsten Donnerstag im Sitzungssaal der Martgemeinde Stainach wirklich passiert.
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