Gemeinden bangen um Einwohner

13. Jänner 2012:
 In Österreich wurde die Volkszählung durch eine kostengünstigere Registerzählung ersetzt. Diese weist für das vergangene Jahr bundesweit ein Bevölkerungsplus von fünf Prozent auf. Darüber können sich aber hauptsächlich die Ballungszentren freuen, die peripheren Gebiete müssen teilweise große Verluste einstecken. Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, ist der Bezirk Liezen von der Abwanderung besonders stark betroffen.
Für die Gemeinden bedeutet der Verlust von Einwohnern auch eine Verringerung der Ertragsanteile. Da diese nun jährlich angepasst werden, bekommen die Gemeinden die Bevölkerungsbewegung unmittelbar finanziell zu spüren. Die Daten der Zählung dienen nämlich für das Jahr 2012 als Berechnungsgrundlage für die Ertragsanteile.
Stark zugenommen haben im Bezirk Liezen die Einwohner von Gröbming (plus 13,6 Prozent), von Aich (plus 12,7 Prozent) und Mitterberg (plus 12,3 Prozent). Einen starken Bevölkerungsabgang verzeichnen die Gemeinden Johnsbach (minus 16,2 Prozent), Gams (minus 10,5 Prozent), Selzthal (minus 13,7 Prozent), Oppenberg (minus 13 Prozent), Wildalpen (minus 12,5 Prozent) und Weißenbach an der Enns (minus 10,1 Prozent). Die vier Stadtgemeinden im Bezirk müssen ebenfalls Verluste, wenn auch in geringerem Ausmaß, hinnehmen. So reduzierte sich die Einwohnerzahl in Bad Aussee um vier Prozent, in Rottenmann um 6,3 Prozent, in Schladming um 2,4 Prozent und in Trieben um 9,7 Prozent.
Die Statistiker sehen in den rückläufigen Einwohnerzahlen auch eine zunehmende Kostenexplosion bei den Gemeinden. Den sinkenden Einnahmen stünden immer stärkere Zunahmen der Ausgaben, vor allem im Sozialbereich, gegenüber, sagen die örtlichen und regionalen Politiker.
Während die regierenden Landespolitiker den der Bevölkerung verordneten rigorosen Sparkurs wortreich verteidigen, sprechen die Vertreter der Oppositionsparteien von einer wissentlich betriebenen Ausdünnung der Regionen abseits der urbanen Zentren. Eine Lösung der vielfachen Probleme – auch im Bezirk Liezen – scheint derzeit jedoch in weiter Ferne zu liegen. Diesen Eindruck hat jedenfalls eine Mehrheit unter der Bevölkerung. Das bestätigen auch aktuelle, von seriösen Instituten durchgeführte Meinungsumfragen.
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