Ennstal 21
02. Dezember 2011:Das unterirdische Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 ist wohl eines der umstrittensten Bauvorhaben, das unser Nachbarland je gesehen hat. Eine Volksabstimmung war der einzige Weg, um den Konflikt noch zu lösen, und brachte landesweit überwältigende 58 Prozent für das Projekt. Selbst direkt in der Stadt Stuttgart hatten die Befürworter eine Mehrheit.
Man kann daraus einige Lehren ziehen. Erstens hat sich eindrucksvoll gezeigt, dass gewisse Bauvorhaben der Infrastruktur heute kaum mehr von oben verordenbar sind. Egal ob Straße, Eisenbahn, Flughafen, Kraftwerk oder Stromleitung, sofort kommt schärfster Protest der Anrainer, der meist jahrelange, kostspielige Verfahren nach sich zieht und am Ende unter Umständen Projekte platzen lässt. Es wäre daher in Zukunft ratsam, das Volk schon in der Planungsphase zu befragen, und zwar nicht nur die unmittelbaren Anrainer, sondern alle Betroffenen. Die zweite ganz zentrale Erkenntnis ist, dass der, der am lautesten schreit weder unbedingt sachlich Recht noch gezwungenermaßen eine Mehrheit hinter sich hat. Diese Erkenntnis sollten sich auch unsere Politiker ins Stammbuch schreiben, die jede Bürgerbewegung, die etwas verhindern will, vor lauter Angst um die Wählerstimmen verhätscheln und dabei unter Umständen eine Mehrheit vor den Kopf stoßen. Wenn zukünftig für ein Infrastrukturprojekt in einer Volksabstimmung eine Mehrheit besteht, dann ist das Projekt auch umzusetzen. Und zwar ohne jahrelange Genehmigungsverfahren und ohne überbordende Bürgerbeteiligung. Denn wenn wir so weitermachen wie bisher, geht in diesem Land gar nichts mehr und wir werden uns eines Tages fernab der Zivilisation im Dunkeln wiederfinden.
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