Damoklesschwert über LKH Bad Aussee
30. März 2011:Nachdem die steirische Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP) die Auswirkungen des Sparbudgets des Landes auf ihr Ressort vorgestellt hat, herrscht in Bad Aussee große Verunsicherung. Die Chirurgische Abteilung im neuen Landeskrankenhaus könnte nämlich 2015 bei schlechten „Fallzahlen“ geschlossen werden.
Laut Edlinger-Ploder sollen im Gesundheitsbereich 245,3 Millonen Euro eingespart werden. Dafür könnten mittelfristig elf Prozent der 6994 KAGes-Betten gestrichen werden. Ein Spital in der Nähe von Graz (Hörgas-Enzenbach) soll aufgelassen werden, jenes in Mariazell in eine Ambulanz ohne Bettenstation umgewandelt werden. Am Ausseer Spital wird vorerst nicht gerüttelt, nach einer Beobachtungszeit von zwei Jahren wird jedoch neu entschieden. Das sprichwörtliche Damoklesschwert ist also künftig allgegenwärtig.
Laut den Plänen der Gesundheitslandesrätin soll sich künftig vor allem bei der Aufnahme der Patienten in die Spitäler etwas ändern: In einer sogenannten „ambulanten Erstversorgungseinheit“ (AEE), die es künftig überall geben soll, wird der Patient jenem Spital zugewiesen, welches die richtige fachliche Spezifikation aufweist. Falls der Patient keine akute Behandlung benötigt, wird er wieder nach Hause geschickt. Die Hausärzte werden somit wohl mehr in das Geschehen eingebunden werden. Man erhofft sich dadurch eine Reduktion der Bettenbelegung. Durch eine Streichung der Anreize, jedes Bett zu füllen, sollen weitere Einsparungspotentiale ausgeschöpft werden.
In Summe soll das Gesundheitsbudget der Steiermark heuer um 87 Millionen und nächstes Jahr um weitere 158 Millionen Euro gesenkt werden. Die KAGes ist nun mit den Detailmaßnahmen beschäftigt und wird somit auch den Wirtschaftsplan umschreiben müssen. „Wir werden weiterhin garantieren, dass alle Patienten genau das bekommen, was sie brauchen, aber sie werden nicht in jedem Haus und jeder Ordination alles bekommen, was sie wollen“, sagte Edlinger-Ploder und legte Wert darauf festzustellen, dass „trotz der empfindlichen Einsparungen die Gesundheitsversorgung in der Steiermark nicht schlechter wird“.
Für das Ausseer Spital sind derzeit keine Einschränkungen geplant, denn man hat schon beim Ringen um den Erhalt des Spitals beziehungsweise der chirurgischen Abteilung Federn lassen müssen: So wurden die Betten um über 50 Prozent (von 120 auf 58) reduziert, die Geburtenstation schon längst geschlossen und ein Spitalsverbund mit Rottenmann eingerichtet, um Kosten zu sparen. Doch man hat sich von Seiten der Politik ein Hintertürchen geschaffen, über welches die Chirurgische Abteilung am Ausseer Spital frühestens 2015 geschlossen werden könnte.
So soll das Ausseer Spital – neben vier weiteren Chirurgien in der Steiermark, darunter auch Schladming – nach der Fertigstellung des neuen Gebäudes im Jahr 2013 über einen Beobachtungszeitraum von zwei Jahren bewertet werden. Erst dann wird entschieden, ob die „Fallzahlen“ passen und ob die Chirurgie erhalten bleibt oder nicht. Diese Option ermöglicht es der Politik, wenn es dann so weit ist, ohne Gesichtsverlust schließen zu können. Wird nämlich festgestellt, dass die Auslastung den Fallzahlen nicht entspricht, kann die Chirurgie in eine Tageschirurgie (8 bis 15 Uhr) für leichte oder Wochenchirurgie (Mo-Fr 8–15 Uhr) für mittelschwere Fälle umgewandelt werden.
Änderungen bei der Pflege
Auch in der Pflege sollen heuer und nächstes Jahr insgesamt 25 Millionen Euro eingespart werden. Der Pflegeregress wird wieder eingeführt: „Die Regresspflicht tritt im August 2011 mit einer Übergangsfrist bis 1. Jänner 2012 in Kraft“, so Edlinger-Ploder. Eltern werden ab einem Einkommen von 1500 Euro zu einer neunprozentigen bis – einkommensabhängig – 15-prozentigen Leistung herangezogen. Söhne und Töchter haben für ihre Eltern vier bis maximal neun Prozent beizutragen.
Auch die Bewertungskriterien, welche Pflegebedürftigkeit einer Person zugesprochen wird, werden neu formuliert.
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