Böse Griechen?
16. September 2011:Es ist zwar sehr schwer abzusehen, was mit Griechenland in den nächsten Monaten passieren wird, aber eines scheint gewiss: Die Lösung wird sowohl schmerzhaft als auch nicht dauerhaft sein. Denn egal, ob man den Griechen frisches Geld gibt oder sie pleite gehen lässt, es wird sowohl bürgerkriegsähnliche Zustände in Griechenland als auch schwerste Verwerfungen in den Gläubigerländern und -banken geben. Ein halbwegs schmerzfreier Ausweg aus der Lage ist nicht in Sicht.
Viel gravierender ist allerdings, dass die Griechen mit diesem Problem keineswegs alleine dastehen. Und auch die anderen Problemstaaten von Irland über Spanien und Portugal bis Italien sind nur die Spitze des Eisberges. Inzwischen ist die gesamte Eurozone mit 85 % verschuldet, ein Wert, der nicht einmal eine Rückführung auf die Maastricht-Kriterien zulässt. Zudem sagen eigene Studien der EU, dass man in den nächsten drei Jahren keinen Cent der Schulden abbauen kann, was mit Einrechnung der üblichen Schönfärberei bedeutet, dass es weiterhin ungebremst Richtung Bankrott geht.
Die Hauptschuld an dieser unangenehmen Situation tragen weder die Spekulanten noch die Finanzkrise, ein Großteil der Schulden stammt aus dem strukturellen Defizit, das in fast allen EU-Ländern eine Selbstverständlichkeit ist. Solange es nicht wirklich gelingt, über den Konjunkturzyklus einen mindestens ausgeglichenen Staatshaushalt zu erreichen, gibt es auch kein Ende der Schuldenkrise. Dann wird man in zehn Jahren vielleicht noch wissen, dass die Griechen als Erster pleite waren, aber sie werden in der Union der Bankrotteure nicht sonderlich auffallen.
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