Blöd oder feig?
20. Mai 2011:Es ist eigentlich mehr als unterhaltsam: Seit bald zwei Jahren drischt die vereinigte Politik auf die Banken ein, die querbeet zu Organisationen des Verbrechens gestempelt werden und dann genügt ein pointierter Satz eines Bankdirektors, um die Herrschaften relativ alt aussehen zu lassen. Sie können sich nur glücklich schätzen, dass der Wahrheitsbeweis nicht angetreten wird, was sicherlich eine unterhaltsame Geschichte wäre.
Grund für die Aussagen des Erste-Generals Treichl war der unerfreuliche Umstand, dass gerade Banken, die seriöse Geschäftsmodelle haben und für eine Volkswirtschaft absolut unverzichtbar sind, vom Gesetzgeber bestraft werden, während Spekulationen mehr oder weniger offensichtlich gefördert werden. Denn für einen Kredit an eine Firma, die in hundert Jahren noch nie einen Verlust gemacht hat, ist zukünftig zehnmal mehr Eigenkapital nötig, als wenn man griechische Staatsanleihen hält. Das ist nun mal weder intelligent noch seriös.
Wenn allerdings für die Staaten Europas dieselben Bankenregeln gelten würden, wie für Private oder Unternehmen, dann würde ihnen schlicht und ergreifend niemand mehr Geld leihen und sie wären allesamt pleite. Nur ganz wenige Länder wie etwa die Schweiz haben ihre Finanzen im Griff, weil sie klug genug waren, nicht mehr auszugeben als sie einnehmen, und mutig genug, das ihren Wählern auch mitzuteilen. Für den mehr oder weniger bankrotten Rest Europas gilt das nicht, weil man „zu blöd oder zu feig“ war, wobei das „oder“ eigentlich durch ein „und“ zu ersetzen wäre. Und dieses Faktum ist auch durch beleidigtes Lamentieren über die bösen Banken nicht aus der Welt zu schaffen.
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