Samstag-Nacht kam die Katastrophe ins Kleinsölktal

22. Juli 2010:
Nicht nur das beliebte Wanderziel zur rechten Hand am Talschluss geriet in den späten Abendstunden des vergangenen Samstag unter die Schlamm- und Geröllmassen. Das explosionsartige Aufbrechen einer Verklausung richtete genauso schwere Schäden im Tal – in Stein an der Enns – an und verwandelte den halben Ort in eine Schlammwüste.

Die Ereignisse, die sich am vergangenen Samstag zwischen 18.30 Uhr und 24 Uhr vor allem in der Kleinsölk und Stein an der Enns sowie in Gott sei Dank doch etwas abgemilderter Form in Pruggern, Gröbming, Michaelerberg, Mitterberg und St. Martin am Grimming abgespielt haben, sind zum Glück ein Novum für die Enns¬taler Region – blieben wir doch bisher von Unwetter-Ereignissen dieses Ausmaßes verschont. Dem bereits am Sonntag-Morgen tagenden Krisenstab mit Bezirkshauptmann Josef Dick, seinem Katastrophenreferenten Hans-Peter Scheb, Landes-Katastrophenreferent Kurt Kalcher, Feuerwehr-Bezirkskommandant Gerhard Pötsch, Bezirks-Polizeikommandant Herbert Brandstätter, Baubezirksleitung-Chef Gerhard Taschler, Bezirks-Rettungskommandant Albin Hubner sowie den Bürgermeistern von Kleinsölk, Großsölk, Pruggern, Gröbming, St. Martin, Michaelerberg, Mitterberg und einem Bundesheer-Offizier eröffnete sich ein dramatisches Szenario. Das einzige, aber wichtigste Positive am Ereignis: Menschen kamen bislang nicht zu Schaden.
Berichten des Kleinsölker Bürgermeisters Karl Brandner zufolge hatten die massiven Starkregen-Sturzbäche die Berghänge in der Breitlahnalm unterschwemmt und ganze Hänge ins Tal gerissen. Ähnliches spielte sich im Gebiet der Tuchmoaralm ab – nur nicht derart fatal wie im Gebiet Schwarzensee-Breitlahn. Um 21.30 Uhr erreichte nach Bruch einer Verklausung im Oberlauf des Sölkbaches eine Flutwelle Stein an der Enns und überschwemmte die Ortsteile Kohlstattsiedlung, Winkelmühle, Schulsiedlung und Hermann-Koller-Siedlung über einen halben Meter hoch. Für Bürgermeister Albert Holzinger und vor allem für die betroffenen Bewohner dramatische Stunden.
Erste Sichtungsflüge mit Bundesheer-Helikoptern zeigten Mitgliedern des Krisenstabes in groben Zügen das vorläufige Ausmaß der Naturkatastrophe. „Das bislang grüne Breitlahntal schien sich zur schmutzig gelbbraunen Wüste gewandelt zu haben. Die Breitlahnalm selbst vor dem Schwarzensee war allseitig von Geröll und Schlamm umflutet“, berichtete Bezirkshauptmann Josef Dick. Beim ersten Erkundungsflug musste erkannt werden, dass in den Gebieten Schwarzensee und Breitlahnalm über 30 Personen eingeschlossen sind, die¬se Zahl sollte sich später nach oben hin auf 60 Menschen erhöhen. Bereits am Sonntag-Vormittag war von Rotkreuz-Seite der Großunfallzug der Sondereinsatzgruppe nach Stein/Enns beordert wurden und mit Hilfe der Bundesheer-Hubschrauber wurden 55 Eingeschlossene – Erwachsene und Kinder – zum Rotkreuz-Stützpunkt Gröbming ausgeflogen. Zum Einsatz mit insgesamt 60 RK-Helfern kam auch das RK-Kriseninterventionsteam samt Notarzt.
Neben dem Haupt-Schauplatz der Ereignisse im Kleinsölktal und Stein/Enns wurden im Sattental im Gemeindegebiet Pruggern fünf Brücken weggerissen und die Gemeindewasserleitung auf einer Länge von 100 Meter unterbrochen. Für die Versorgung der Bewohner musste eine Notlösung mit Tankwägen gefunden werden. In der Gemeinde Gröbming trat der Winklbach über die Ufer und richtete schwere Schäden an. Ein Feuerwehr-LKW kam unter die Wassermassen, vier Gemeinde-Garagen ebenfalls. In der Gemeinde St. Martin waren alle drei Katastralgemeinden betroffen. Neuralgische Punkte hier: Die Geschiebesperre in Diemlern mit Überflutung der B 320, in Tipschern war der Laisingbach über die Ufer getreten, überschwemmt Gehöfte und B-320-Unterführungen samt darunter liegenden Feldern. Der Lengdorfbach überflutete Teile der Zufahrtsstraßen. Im Paltental auf Triebener Gemeindegebiet brach ein Teil der Kaiserau-Landesstraße im Bereich Dietmannsdorf ab und Keller wurden überflutet.
In diesen Tagen und Nächten seit der Katastrophennacht haben die Einsatzkräfte von Feuerwehren und zuletzt von Seiten des Bundesheeres Gewaltiges geleistet. Auch das Rote Kreuz bewährte sich mit seinem Krisenmanagement bestens und die Bezirksverwaltungsbehörde mit ihrem Chef Josef Dick und Referent Hans-Peter Scheb organisierte professionell die Hilfemaßnahmen. Jetzt ist für alle Betroffenen wichtig, aus Landes- und Bundesmitteln die enstprechenden Hilfeleistungen zu erfahren, um existenziell bedrohliche Folgen abzumildern. Der Schaden wird letzten Informationen zufolge auf mindestens 10 Millionen Euro geschätzt. Die Natur der zerstörten Almgebiete wird selbst geraume Zeit brauchen, sich wieder zu regenerieren.
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