Neueröffnung des Buchsteinhauses
15. Juli 2010:Bei herrlichem Prachtwetter feierten vergangenen Sonntag rund 300 Besucher mit der Neueröffnung des Buchsteinhauses ein alpinhistorisch denkwürdiges Ereignis. Die alte, 1924 erbaute Hütte, zollte den Widrigkeiten in luftiger Höh‘ derart Tribut, dass die Naturfreunde-Sektion Steyr zu einer radikalen Entscheidung genötigt war: Abriss und Neubau! Nach einer intensiven Planungsphase und zwei Jahren harter Bautätigkeit – unter den erschwerten Verhältnissen in 1546 Metern Seehöhe – konnte das neue Haus nun planmäßig seiner Bestimmung übergeben werden.
Rund 1,4 Millionen Euro investierte der Verein in die neue Schutzhütte, die bezüglich Wasserversorgung bzw. Abwasserentsorgung sowie autarker Energiegewinnung ein umwelttechnisches Vorzeigeprojekt darstellt. Das Gebäude fügt sich geradezu optimal, einem Vogelnest gleich, in die extrem steile Hanglandschaft ein und besticht architektonisch durch harmonisch gegliederte, in Lärchenholz gefertigte Fronten.
Mit 50 Schlafplätzen ausgestattet, verfügt das Haus über helle, großzügig gestaltete Gasträume, eine moderne WC-Anlage, Trocken- und Lagerraum sowie einer den gesetzlichen Vorgaben entsprechenden Küche. Glanzstück der Hütte ist jedoch die vorgelagerte Panorama-Terrasse, die luftig über den alten Kellerbestand hinaus gebaut wurde und dadurch unvergleichliche Tief- und Weitblicke bietet.
Zum Festakt begrüßte der agile Vereinsobmann Rudi Wally zahlreiche Ehrengäste: Politprominenz, vom Bürgermeister aufwärts bis zur Nationalrätin, Vertreter der alpinen Vereine, von den Nachbarsektionen bis zu Delegationen der Landes- und Bundesorganisationen sowie Abordnungen des Nationalparks und der Steiermärkischen Landesforste. Vor der Haussegnung durch die Geistlichkeit wurde in weiteren Ansprachen vor allem die Risikobereitschaft der Naturfreunde-Sektion Steyr, allen voran aber der unermüdliche Einsatz des Obmannes, gewürdigt und das Ergebnis dieser „größten alpintouristischen Investition seit Jahrzehnten“ zurecht in höchsten Tönen gelobt. Schon zehn Jahre zuvor setzten die „Steyrer“ mit der Errichtung eines Klettersteiges in der Buchstein-Südwand einen touris¬tischen Meilenstein, der in weiterer Folge mit dem Projekt „Sagenhaftes Klettersteigland Gesäuse“ eine jährlich bis zu 25.000 Gäste anlockende Welle auslöste. Zudem erfuhr der Große Buchstein durch die Sanierung bestehender Kletterrouten bzw. einer weiteren Erschließung durch Neutouren einen hohen Zulauf, dem das neue Buchsteinhaus durchaus gerecht wird. Die Führung des Hauses obliegt nun dem neuen Hüttenwirt Helmut Tschitschko aus Admont, der die „Feuerprobe“ – trotz des enormen Andranges– mit kulinarischer Bravour bestand.
Die alpine Infrastruktur ist für die Tourismuswirtschaft der Nationalpark¬region Gesäuse von essentieller Bedeutung: Der überwiegende Teil der Besucher, rund 80 Prozent, rekrutiert sich aus Bergsteigern jedweder Neigung und auch bezüglich des Nächtigungsaufkommens sind die Schutzhütten in den Ennstaler Alpen ein maßgeblicher Faktor. Dementsprechend kann der Weitblick der TVN-Sektion Steyr nicht hoch genug eingeschätzt werden und es wäre nun höchst an der Zeit, dass auch die örtlichen Tourismusverantwortlichen die regionale Kernkompetenz wahrnehmen und ihre negative Haltung gegenüber Projekten wie die Grundsanierung des gesamten Wegenetzes überdenken.
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