Mensch oder Maschine?
1. Juli 2010:Fast könnte man meinen, den Spielern ist bei der Fußballweltmeisterschaft nur eine Nebenrolle zugedacht. Denn diskutiert wird fast ausschließlich über die Leistungen der Schieds- und Linienrichter und das absolut zu Recht. Es hat wohl noch nie in so kurzer Zeit so viele haarsträubende Fehlentscheidungen gegeben wie bei dieser WM. Trotzdem oder gerade deshalb ist die schnelle Lösung, nämlich der Videobeweis, eine mehr als umstrittene Sache, gegen die sich die FIFA mit allen Mitteln wehrt.
Sie hat dafür auch gute Argumente. Denn anders als bei einigen amerikanischen Sportarten, wo der Videobeweis praktiziert wird (z. B. American Football), gibt es beim Fußball nicht im Minutentakt vorgegebene längere Spielunterbrechungen, in denen die Szenen studiert werden können, ohne dass der Spielablauf gestört wird. Beim Fußball hingegen würde das Spiel wohl unattraktiv bis langweilig, wenn alle paar Minuten eine Spielunterbrechung zum Fernsehstudium benötigt wird. Auch schnell abgespielte Freistöße, die sehr oft Würze ins Spiel bringen, würden der Vergangenheit angehören.
Der oft gehörte Vorschlag, dass man nur Schlüsselszenen dem Videobeweis unterwerfen sollte (Tore, entscheidende Abseitsstellungen vor Toren) birgt auch seine Probleme, weil die Abgrenzung sehr schwierig ist. Denn auch ein Rot-Foul oder eine falsche Freistoßentscheidung, die nachher zu einem Tor führt, sind spielentscheidend. Alles in allem scheint es also am vernünftigsten, alles so zu belassen, wie es ist. Schließlich ist die Vereins- oder Nationalbrille, durch die sich jeder von Schiedsrichtern verfolgt fühlt, ein wesentlicher Teil vom wichtigsten Fernsehhobby Europas. Warum soll man sie uns wegnehmen?
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